Wöchentlicher Bericht über Menschenrechtsverletzungen im Iran
43. Kalenderwoche | 19. bis 25. Oktober 2026
Die 43. Kalenderwoche des Jahres 2026 war geprägt von der Vollstreckung mindestens neun Todesurteilen, Berichten über Todesurteile gegen junge Menschen, der fortgesetzten Festnahme von Demonstrierenden der Januarproteste 2026 sowie zunehmendem Druck auf Gefangene und ihre Familien. Gleichzeitig zeigten die Festnahme von Schülerinnen und Schülern, die Beschlagnahmung von Vermögenswerten, die behördliche Schließung von 25 Gewerbebetrieben und die verschärften Maßnahmen gegen Frauen an Universitäten, dass sich die Eingriffe der Islamischen Republik längst nicht mehr auf Gefängnisse und Gerichte beschränken, sondern auch Schulen, Arbeitsplätze und das Privatleben der Menschen erfassen.
Hinrichtungen und Todesurteile – Von heimlichen Vollstreckungen bis zur Bedrohung von Demonstrierenden
Zwischen dem 19. und 21. Oktober wurden mindestens neun Gefangene in fünf Gefängnissen des Landes hingerichtet. Hamid Mohammadi aus Fasa wurde am 19. Oktober im Gefängnis Bandar Abbas gehängt. Der genaue Tatvorwurf wurde im veröffentlichten Bericht nicht genannt; sein Fall wurde als nicht politisch eingestuft. Am folgenden Tag wurden Abdullah Narouei, auch bekannt als Hashem Shovabzehi, etwa 43 Jahre alt und Vater von fünf Kindern, sowie der 30-jährige Isa Narouei, auch bekannt als Lakzehi, im Vakilabad-Gefängnis in Maschhad hingerichtet. Beide waren unter Vorwürfen im Zusammenhang mit Drogendelikten verurteilt worden. Berichten zufolge wurde Abdullah Narouei sogar ein letztes Treffen mit seiner Familie verweigert.
Am 21. Oktober wurden die Hinrichtungen mit der Vollstreckung der Todesurteile gegen Seyed Borjali Taghizadeh Amirsalari, Farshad Jamalabadi und Navid Mahdipour im Adelabad-Gefängnis in Schiras fortgesetzt. Der 27-jährige Mahdipour war unter dem Vorwurf des vorsätzlichen Mordes verurteilt worden. Einzelheiten zu den Tatvorwürfen gegen die beiden anderen Personen gehen aus den vorliegenden Berichten nicht hervor. Am selben Tag wurden Ahmad Baranizadeh und ein weiterer Gefangener, dessen Identität nicht bekannt gegeben wurde, im Ghezel-Hesar-Gefängnis in Karadsch hingerichtet. Beide waren unter dem Vorwurf des Mordes zum Tode verurteilt worden. Auch Mojtaba Garaei, 38 Jahre alt und Vater von zwei Kindern, wurde im Gefängnis Semnan hingerichtet. Er war unter dem Vorwurf des Transports von mehr als zehn Kilogramm Heroin verurteilt worden. Den gesammelten Informationen zufolge war die Vollstreckung der Todesurteile gegen acht dieser neun Gefangenen zum Zeitpunkt der Berichterstattung von den Behörden noch nicht offiziell bekannt gegeben worden.
Neben diesen Hinrichtungen verdeutlichten neue Berichte über zum Tode verurteilte Gefangene die Gefahr des Einsatzes der Todesstrafe in politischen und sicherheitsbezogenen Verfahren. Das Todesurteil gegen Manouchehr Fallah, einen Gefangenen im Lakan-Gefängnis in Rascht, wurde erneut vom Obersten Gerichtshof bestätigt und zur Vollstreckung an die zuständige Strafvollstreckungsbehörde in Rascht weitergeleitet. Ihm wird „Sachbeschädigung mit dem Ziel der Bekämpfung der islamischen Regierung“ vorgeworfen. Berichten zufolge beruht das Verfahren auf einer Beschädigung der Eingangstür des Justizgebäudes in Rascht im Wert von 15 Millionen Toman. Nachdem das ursprüngliche Urteil im Wiederaufnahmeverfahren aufgehoben worden war, wurde das Todesurteil von der Ersten Kammer des Revolutionsgerichts Rascht unter dem Vorsitz von Richter Darvish Goftar erneut verhängt. Ein Vollstreckungstermin wurde nicht bekannt gegeben.

Manouchehr Fallah
Auch Homayoun Shabankareh, ein 22-jähriger Künstler und Tierrechtsaktivist, der in der zentralen Haftanstalt von Karadsch inhaftiert ist, wurde veröffentlichten Berichten zufolge von der Zweiten Kammer des Revolutionsgerichts Karadsch unter dem Vorsitz von Mehdi Sabzevarnejad unter den Vorwürfen der „Kriegsführung gegen Gott“ (Moharebeh) und der „Spionage“ zum Tode verurteilt. Das Urteil wurde ihm am 17. Oktober zugestellt. Berichte weisen auf eine lange Zeit in Einzelhaft, einen Proteststreik gegen die Haftbedingungen sowie einen früheren Suizidversuch hin.

Homayoun Shabankareh
Gleichzeitig wurde über ein Todesurteil gegen Ilya Ben-Rashid berichtet, einen 23-jährigen Mann aus Shahin Shahr, der im Zusammenhang mit den Protesten vom Januar 2026 festgenommen worden war. In seinem Verfahren gibt es Berichte über Folter, Nahrungsentzug, erzwungene Geständnisse und die Verweigerung anwaltlichen Beistands während der ersten Verhöre. Auch seine Familie soll bedroht worden sein, um eine öffentliche Berichterstattung über den Fall zu verhindern.
Fortgesetzte Verfolgung von Demonstrierenden – Haftstrafen, Vermögensbeschlagnahmungen und Druck auf Familien
Die sicherheitsbehördliche Verfolgung der Proteste vom Januar 2026 wird mit neuen Festnahmen und schweren Strafen fortgesetzt. Der Geheimdienst in Qazvin gab die Festnahme von 39 Bürgern bekannt und beschuldigte sie, in acht Gruppen aktiv gewesen zu sein sowie Sachbeschädigungen, Brandstiftungen und Verbindungen zu den USA und Israel zu verantworten. Zehn Personen wurden außerdem beschuldigt, an der Tötung von Sicherheitskräften beteiligt gewesen zu sein. In dem veröffentlichten Bericht wurden dafür jedoch keine Beweise vorgelegt. Die Namen der Betroffenen, der Zeitpunkt ihrer Festnahme, ihre Haftorte sowie der Zugang zu Rechtsbeistand und Familienangehörigen sind nicht bekannt. In Azna nahm der Geheimdienst der Revolutionsgarden ebenfalls einen Bürger fest, den der Staatsanwalt als einen der Hauptorganisatoren der Proteste vom Januar bezeichnete. Seine Identität, die konkreten Vorwürfe und sein Aufenthaltsort wurden nicht bekannt gegeben.
Diese Verfolgungsmaßnahmen gehen mit Strafen einher, die das Leben der Verurteilten und ihrer Familien über Jahre hinweg beeinflussen. Der Staatsanwalt von Qom gab die Vollstreckung der vollständigen Vermögensbeschlagnahmung gegen Sadegh Saedinia, den Betreiber der Café-Kette Saedinia, bekannt. Die Maßnahme umfasst bewegliches und unbewegliches Vermögen sowie digitale Vermögenswerte und Kryptowährungen. Saedinia wurde unter dem Vorwurf „medialer und propagandistischer Aktivitäten gegen die nationale Sicherheit zugunsten oppositioneller Gruppen“ außerdem zu zwölf Jahren, sechs Monaten und einem Tag Freiheitsstrafe sowie einem zweijährigen Verbot des Betriebs von Cafés nach seiner Freilassung verurteilt. Die Beschlagnahmung wurde vom Obersten Gerichtshof bestätigt. Seine Café-Filialen waren bereits zuvor behördlich geschlossen worden.

Sadegh Saedinia
Yousef Dehghani, ein Mitarbeiter des Gesundheitswesens, der während der Proteste im Januar im Krankenhaus von Qorveh festgenommen wurde, erhielt in zwei getrennten Verfahren eine einjährige Freiheitsstrafe, zwei Jahre Verbannung nach Zabol, 31 Peitschenhiebe, eine zweijährige Bewährungsstrafe sowie eine Geldstrafe. Die konkreten Tatvorwürfe werden im Bericht nicht genannt.
Der 37-jährige Saeid Ijadi aus Sonqor und Koliai wurde im Verfahren „Kämpfende Jugendliche von Qazvin“ zu insgesamt 21 Jahren Freiheitsstrafe sowie einem zweijährigen Verbot der Nutzung sozialer Medien und der Ausreise verurteilt. Das Urteil beruht auf Vorwürfen wie Brandstiftung an öffentlichem Eigentum, „Versammlung und Absprache“ sowie Mitgliedschaft in regierungsfeindlichen Gruppen. Das Verfahren befindet sich im Revisionsstadium. Die endgültig zu verbüßende Haftdauer ist noch unklar. Zudem liegen Berichte über Folter und erzwungene Geständnisse vor.

Saeid Ijadi
Der Druck der Sicherheitsbehörden richtet sich inzwischen auch gegen Familienangehörige von Gefangenen. Ali Alipour, Vater des hingerichteten politischen Gefangenen Babak Alipour, wurde am 20. Oktober in seiner Wohnung in Rascht festgenommen und in die Haftanstalt „Shohadaye Gomnam“ gebracht. Die Beamten beschlagnahmten außerdem elektronische Geräte der Familie. Ein Grund für die Festnahme wurde nicht genannt. Sein weiterer Sohn Rouzbeh befindet sich seit Februar 2026 ohne geklärten Rechtsstatus im Großgefängnis Teheran. Babak Alipour war am 31. März 2026 im Ghezel-Hesar-Gefängnis hingerichtet worden.
In Nourabad Mamasani wurde Armin Ahmadi, Sohn von Jan-Mohammad Ahmadi, dem Vorsitzenden der Lehrergewerkschaft, am 20. Oktober von zivil gekleideten Angehörigen des Geheimdienstes der Revolutionsgarden festgenommen. Über seinen Haftort und seinen Zustand liegen keine Informationen vor. Sein Vater war ebenfalls zuvor festgenommen und im August gegen Kaution freigelassen worden.
Festnahmen und Ungewissheit – Von politischen Aktivisten bis zu Schülerinnen und Schülern
Die gemeldeten Festnahmen beschränkten sich nicht auf Verfahren im Zusammenhang mit den Protesten. Omid und Chamran Ahmadinejad, zwei politische Aktivisten im Alter von 37 und 33 Jahren, wurden am frühen Morgen des 21. Oktober bei zeitgleichen Einsätzen des Geheimdienstes der Revolutionsgarden in Ahvaz festgenommen. Die Beamten suchten Chamrans Wohnung und Omids Arbeitsplatz auf und beschlagnahmten elektronische Geräte. Chamrans Ehefrau wurde ebenfalls vorübergehend festgenommen und anschließend freigelassen. Berichten zufolge hatten die beiden Männer keinen Kontakt zu ihren Familien. Der Grund ihrer Festnahme und ihre Haftorte sind weiterhin unbekannt.
Mohsen Mouloudpour, ein Fußballtrainer aus Oshnavieh, wurde am 17. Oktober von Angehörigen des Geheimdienstministeriums festgenommen. Berichten zufolge legten die Beamten keinen richterlichen Haftbefehl vor. Ihm wurden anwaltlicher Beistand, Besuche und telefonischer Kontakt verweigert.

Mohsen Mouloudpour
Gleichzeitig wurden weitere Berichte über das ungeklärte Schicksal von Rabie Toupa Ebrahimi, einem 32-jährigen Demonstrierende, veröffentlicht. Einer informierten Quelle zufolge wurde er am 24. August in Chalus während eines Familienausflugs auf dem Weg zum Zovat-Staudamm von Angehörigen des Geheimdienstes der Revolutionsgarden unter Androhung von Waffengewalt festgenommen. Seitdem wurde ihm der Zugang zu einem Rechtsanwalt sowie jeglicher Kontakt zu seiner Familie verweigert.
Abolfazl Joghataei, ein Umweltblogger, berichtete ebenfalls über die erneute Festnahme seiner Mutter im September. Sie befindet sich demnach seit 52 Tagen im Vakilabad-Gefängnis in Maschhad. Nach seinen Angaben beruhen die gegen seine Mutter erhobenen sicherheitsbezogenen Vorwürfe auf privaten Gesprächen zwischen Mutter und Sohn. Der Nachname der Mutter wurde im ursprünglichen Bericht in zwei unterschiedlichen Schreibweisen angegeben. Ihre vollständige Identität muss daher noch geklärt werden.
In diesem angespannten sicherheitspolitischen Umfeld wurden auch Festnahmen von Schülerinnen und Schülern in Naqadeh, Baneh und Sanandadsch gemeldet. Die 17-jährige Schülerin Paria Nasiri wurde am 21. Oktober festgenommen, nachdem Angehörige des Geheimdienstministeriums ihre Schule in Naqadeh gestürmt hatten. Anschließend wurde sie an einen unbekannten Ort gebracht.

Paria Nasiri
Der 17-jährige Ilya Lotfi Tourmakchi aus Baneh wurde am 20. Oktober festgenommen. Auch die Festnahme von Saro Sadeghzadeh, einem weiteren 17-jährigen Jugendlichen aus derselben Stadt, wurde für den 17. Oktober gemeldet. Diari Abdi, ein Schüler der Abschlussklasse einer weiterführenden Schule in Sanandadsch, wurde am 19. Oktober in der Nähe der Mardoukh-Brücke ohne Vorlage eines richterlichen Haftbefehls festgenommen und an einen unbekannten Ort gebracht.

Saro Sadeghzadeh
Das Verschweigen der Haftorte und die Unterbindung jeglichen Kontakts zu den Familien sind gemeinsame Merkmale vieler dieser Fälle. Bei minderjährigen Betroffenen führt dieses Vorgehen dazu, dass ihre Familien nicht einmal grundlegende Informationen über den Gesundheitszustand ihrer Kinder erhalten. Das Eindringen von Sicherheitskräften in eine Schule, um eine Schülerin festzunehmen, verdeutlicht zudem, dass auch Bildungseinrichtungen nicht mehr außerhalb des staatlichen Sicherheitsapparats stehen.
Gefängnisse – Krankheiten, rechtliche Ungewissheit und erzwungene Reueerklärungen
Berichte aus iranischen Gefängnissen weisen auf zunehmenden Druck hin, Gefangene zur Unterzeichnung sogenannter Reueerklärungen zu zwingen, sowie auf die fortgesetzte Verweigerung medizinischer Versorgung.
Einem am 20. Oktober veröffentlichten Bericht zufolge wurde dem politischen Gefangenen Kazem Alinejad im Evin-Gefängnis der telefonische Kontakt untersagt, nachdem er sich geweigert hatte, eine Reueerklärung zu unterschreiben. Aus Protest gegen die verweigerte medizinische Behandlung und das Kontaktverbot trat er in einen Hungerstreik und nähte sich die Lippen zu. Alinejad leidet an Herz-, Lungen- und Nierenerkrankungen sowie an Diabetes und Bluthochdruck. Berichten zufolge werden ihm bestimmte Medikamente und die Verlegung in ein Krankenhaus verweigert.

Kazem Alinejad
Im Lakan-Gefängnis in Rascht wird Mehdi Maskinnavaz trotz einer notwendigen Knieoperation, eines Bandscheibenleidens und der Folgen unbehandelter Verbrennungen weiterhin die Verlegung in ein Krankenhaus verweigert. Nach Angaben der Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi ist seine Behandlung an Knie und Wirbelsäule seit mehr als zwei Jahren unterbrochen. Auch die Bereitschaft seiner Familie, sämtliche Behandlungskosten zu übernehmen, hat die Gefängnisbehörden nicht zum Einlenken bewegt. Dem Bericht zufolge wurden seine Gerichts- und Krankenakten selbst nach fast drei Jahren noch immer nicht von Teheran an das Gefängnis übermittelt, in dem er inhaftiert ist.
In Jiroft trat auch der inhaftierte Lehrer Hadi Jalali aus Protest gegen seine Haftbedingungen und die Verweigerung verschriebener Medikamente in einen Hungerstreik. Berichten zufolge wurden seine Anträge auf Hafturlaub und die Nutzung einer elektronischen Fußfessel abgelehnt. Seine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sieben Monaten wurde im Berufungsverfahren bestätigt, ohne dass eine Anhörung zu seiner Verteidigung stattgefunden hatte.

Hadi Jalali
Maryam Abdollahi, Ehefrau von Rashid Mazaheri, dem ehemaligen Torhüter der iranischen Fußballnationalmannschaft, berichtete ebenfalls über Drohungen, Folter und Druck zur Abgabe einer Reueerklärung im Zentralgefängnis von Urmia. Ihren Angaben zufolge wurde Mazaheri in Einzelhaft verlegt und weiteren Einschränkungen ausgesetzt, nachdem er gegen beleidigende Äußerungen über den persischen Dichter Ferdousi und historische Persönlichkeiten Irans protestiert hatte.

Rashid Mazaheri
Die rechtliche Ungewissheit verschärft diese Situation zusätzlich. Amirhossein Sheikh-Mohammadi, Student der Veterinärmedizin an der Azad-Universität Karadsch, befindet sich seit fünf Monaten in Haft und wird weiterhin ohne Gerichtsverhandlung im Choubindar-Gefängnis in Qazvin festgehalten. Studentischen Berichten zufolge hat er keinen Zugang zu einem Rechtsanwalt. Zudem wird ihm trotz eines abgebrochenen Zahns medizinischer Hafturlaub verweigert. Aufgrund defekter Telefone in seiner Gefängnisabteilung konnte er seit etwa 20 Tagen keinen Kontakt zu seiner Familie aufnehmen.
Bestrafung von Meinungsäußerung und Glauben – Von Satire bis zu Onlineaktivitäten
Die strafrechtliche Verfolgung von Veröffentlichungen und Aktivitäten im Internet setzte sich in dieser Woche mit der Bestätigung des Urteils gegen Soheil Arabi, Blogger und Bürgerjournalist, fort. Das Berufungsgericht in Teheran bestätigte am 19. Oktober seine fünfjährige Freiheitsstrafe sowie ein zweijähriges Berufsverbot für Tätigkeiten im Zusammenhang mit sozialen Netzwerken.
Seine Onlinebeiträge und die Unterstützung von Personen, die während der Januarproteste festgenommen worden waren, dienten als Grundlage für den Vorwurf der „Versammlung und Absprache“. Arabi erklärte, seine Aktivitäten hätten ausschließlich der Hilfeleistung gedient. Viele der unterstützten Familien hätten weder eine politische Vergangenheit noch Erfahrungen mit Festnahmen gehabt.
Die iranische Justiz gab außerdem die Erhebung einer Anklage gegen Saeid Shakiba, Synchronsprecher und Satiriker, bekannt. Ihm werden unter anderem „Unterstützung Israels“, „Beleidigung“ und „Propaganda gegen das System“ vorgeworfen. Shakiba war nach der Veröffentlichung eines Videos festgenommen worden, in dem er die Stimme von Ali Khamenei imitierte. Seine Instagram-Beiträge wurden anschließend gelöscht.

Saeid Shakiba
Auch über die Festnahme von Ehsan Arbab und die Veröffentlichung eines Videos wurde berichtet, das von der veröffentlichenden Quelle als „erzwungenes Geständnis“ bezeichnet wurde. Die Umstände der Videoaufnahme sind unbekannt. Sein Instagram-Konto wurde jedoch auf richterliche Anordnung gesperrt. Sämtliche Inhalte wurden gelöscht, mit Ausnahme eines Videos, in dem er Reue bekundet.
In Roudsar wurde ein 28-jähriger Bürger wegen Beiträgen in sozialen Netzwerken unter den Vorwürfen der „Beleidigung von Märtyrern“ und der „Störung der öffentlichen Meinung“ festgenommen. Auch die Anklageerhebung gegen einen namentlich nicht genannten Blogger in Teheran wurde gemeldet.
In Kermanschah gaben die Revolutionsgarden die Festnahme von zwei Personen bekannt, denen Verbindungen zu Geheimdiensten vorgeworfen werden. Zudem wurde behauptet, Starlink-Geräte, Waffen und Munition sichergestellt zu haben. Ein Video mit Aussagen der Festgenommenen wurde veröffentlicht, ohne dass die Umstände der Aufnahme bekannt sind. Dem Bericht zufolge sind auf den Bildern entgegen der offiziellen Mitteilung mindestens drei festgenommene Personen zu sehen.
Mona Dabbagh, Englischlehrerin und Mutter eines vierjährigen Kindes, wurde am 24. Oktober zur Verbüßung einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und sechs Monaten in die Frauenhaftanstalt in Sanandadsch gebracht. Ihre Strafe unter dem Vorwurf „propagandistischer Aktivitäten zur Stärkung des zionistischen Regimes“ war im Berufungsverfahren um ein Jahr erhöht worden. Die zusätzliche einjährige Freiheitsstrafe unter dem Vorwurf „Propaganda gegen das System“ blieb ebenfalls bestehen. Die schwerere Strafe wurde für vollstreckbar erklärt.

Mona Dabbagh
Bei Angehörigen der Bahai-Glaubensgemeinschaft gehen diese Maßnahmen mit weiterreichenden Einschränkungen des Alltags einher. Babak Shadabi, ein Umweltaktivist und Bahai aus Karadsch, wurde zum Antritt einer viermonatigen Freiheitsstrafe vorgeladen. Wegen seiner Onlineaktivitäten wurde er unter dem Vorwurf „Propaganda gegen das System“ zu einer Haftstrafe sowie einem zweijährigen Verbot der Nutzung sozialer Netzwerke verurteilt. Berichten zufolge sind seine Bankkonten und Telefonanschlüsse seit September/Oktober 2025 gesperrt. Zudem unterliegt er einem Ausreiseverbot.
In Yazd stürmten Angehörige des Geheimdienstministeriums am Abend des 19. Oktober die Wohnung des Bahai-Ehepaars Milad Aghdasi und Samieh Gholinejad. Nach einer vierstündigen, gewaltsamen Durchsuchung beschlagnahmten sie persönliche Gegenstände. Ein Grund für diese Maßnahme wurde nicht bekannt gegeben.
Aufgezwungene Lebensweise – Von Universitäten bis zur Schließung von Geschäften
Die Kontrolle der Kleidung von Frauen an Universitäten wurde parallel zu den strafrechtlichen Maßnahmen fortgesetzt. Studentische Berichte von den Universitäten Kharazmi, Allameh Tabatabaei, Shahid Beheshti, Wissenschaft und Technologie, Sharif und Teheran schildern beleidigende Ermahnungen, die Beschlagnahmung von Studierendenausweisen, Zutrittsverbote, verstärkte Kontrollen durch den universitären Sicherheitsdienst sowie verschärfte Vorschriften in Studentinnenwohnheimen.
An der Universität für Wissenschaft und Technologie wurde außerdem über Druck auf Lehrkräfte berichtet, die Kleidung der Studierenden zu kontrollieren und eine Geschlechtertrennung durchzusetzen.
Mohammad Hossein Omid, Präsident der Universität Teheran, bestätigte die Tätigkeit einer Arbeitsgruppe, die seit etwa fünf bis sechs Monaten Studierende wegen ihrer Kleidung zu „vertraulichen“ Gesprächen einlädt. Diese Gespräche finden statt, bevor die Fälle an den Disziplinarausschuss weitergeleitet werden. Welche Folgen es hat, wenn Studierende eine solche Einladung ablehnen, ist nicht bekannt.
Parallel zu diesen Maßnahmen wurde Moein Ahkami, Physikstudent an der Khajeh-Nasir-Universität, durch eine Entscheidung des Disziplinarausschusses erster Instanz für zwei Semester vom Studium ausgeschlossen. Bereits vor der Entscheidung und ihrer offiziellen Bekanntgabe war ihm einen Monat lang der Zutritt zu Universitätsgeländen und Wohnheimen untersagt worden. Der konkrete Grund für die Disziplinarmaßnahme wurde im Bericht nicht genannt.
Auch die Einschränkung der Bewegungsfreiheit von Frauen setzte sich durch eine Anordnung des Staatsanwalts von Dezful fort. Moslem Karamollahi ordnete die Beschlagnahmung von Motorrädern an, die von Frauen gefahren werden, sowie die Einleitung von Strafverfahren gegen die Fahrerinnen. Zur Begründung verwies er darauf, dass Frauen keine Motorradführerscheine ausgestellt würden.
In einer juristischen Stellungnahme zu dieser Anordnung wurde betont, dass das Geschlecht einer fahrenden Person für sich genommen keinen Straftatbestand darstelle. Strafrechtlich relevant sei vielmehr das Fahren ohne gültige Fahrerlaubnis.
Gleichzeitig wurde in den zusammengetragenen Berichten die behördliche Schließung von insgesamt 25 Gewerbe- und Dienstleistungsbetrieben dokumentiert. Betroffen waren eine Freizeit- und Sportanlage in Aran und Bidgol, der Komplex „Weißer Palast“ in Birjand, ein Café und zwei Damensalons in Jiroft, 15 Betriebe in Torghabeh-Shandiz, ein Café, ein Damensalon und ein Fitnessstudio in Khansar sowie zwei Filialen des Parfüm- und Kosmetikgeschäfts „Lozi“ in Behbahan.
Als Gründe wurden unter anderem die angebliche „Missachtung islamischer Verhaltensnormen“, Verstöße gegen die verpflichtenden Hijab-Vorschriften, gewerberechtliche Verstöße und fehlende Genehmigungen angegeben.
Dieser Bericht wurde auf Grundlage zusammengetragener Veröffentlichungen von HRANA, Haalvsh, Iran Human Rights, IranWire, Iran International, Hengaw, Kolbarnews, Emtedad, United Students, dem Koordinationsrat der Lehrergewerkschaften, Dadban, Berichten von Familienangehörigen sowie staatlichen Medien der Islamischen Republik Iran erstellt, darunter IRNA, ISNA, Mehr, Tasnim, Mizan und der staatliche Rundfunk.
Der Bericht stellt keine eigenständige Untersuchung dar. Die von staatlichen Behörden erhobenen Vorwürfe sind nicht als erwiesene Tatsachen zu verstehen.