Die Organisation Iranischer Liberaler Frauen hat am 27. August 2026 ein offizielles Schreiben an deutsche Parteien und Abgeordnete des Deutschen Bundestages gerichtet.
In diesem Schreiben fordert die Organisation die deutsche Politik auf, angesichts der Hinrichtungen, drohenden Todesurteile und der anhaltenden Repression gegen Demonstranten und politische Gefangene im Iran unverzüglich zu handeln.
Insbesondere bitten wir deutsche Politikerinnen und Politiker darum, erneut politische Patenschaften für iranische Gefangene in Hinrichtungsgefahr zu übernehmen, ihre Fälle öffentlich im Deutschen Bundestag anzusprechen und alle verfügbaren politischen und diplomatischen Möglichkeiten zur Verhinderung von Hinrichtungen einzusetzen.
Nachfolgend veröffentlichen wir den vollständigen Wortlaut unseres Schreibens:
Sehr geehrte Damen und Herren,
heute wenden wir uns an Sie, um auf die dramatische Menschenrechtslage im Iran aufmerksam zu machen.
Während der landesweiten Proteste gegen das islamistische Regime im Iran im Januar 2026 wurden Tausende Demonstranten massakriert und Tausende weitere festgenommen und inhaftiert. Gefangene werden gefoltert, vergewaltigt und unter Zwang zu Geständnissen gezwungen. Ihre Familien werden bedroht und unter Druck gesetzt. Gleichzeitig erreichen uns täglich neue Nachrichten über Hinrichtungen.
Seit Beginn des Jahres 2026 wurden im Iran bereits Hunderte Menschen hingerichtet. Das tatsächliche Ausmaß der Hinrichtungen ist aufgrund der eingeschränkten Informationslage nur schwer vollständig zu erfassen. Nach vorliegenden Daten wurden seit Jahresbeginn bereits 950 Menschen hingerichtet.
Zahlreiche weitere Gefangene sind unmittelbar von der Todesstrafe bedroht.
Ali Pishehvarzadeh, Peyman Ganji, Mehrdad Takhsh und Sepehr Amirzadeh befinden sich in unmittelbarer Gefahr, hingerichtet zu werden.
Während der Protestbewegung „Frau, Leben, Freiheit“ haben Politikerinnen und Politiker in Deutschland politische Patenschaften für iranische Gefangene übernommen. Damit haben sie den Betroffenen eine Stimme gegeben und deutlich gemacht, dass die internationale Gemeinschaft sie nicht vergessen hat.
Heute ist diese Unterstützung erneut dringend notwendig.
Wir bitten Sie daher,
- politische Patenschaften für Gefangene zu übernehmen, denen die Hinrichtung droht;
- ihre Fälle und Namen im Deutschen Bundestag öffentlich anzusprechen;
- die Bundesregierung aufzufordern, sich mit allen verfügbaren diplomatischen Mitteln für die Aufhebung der Todesurteile einzusetzen;
- und gemeinsam mit europäischen Partnern den politischen Druck auf die Islamische Republik Iran zu erhöhen.
Wir bitten Sie, an das Engagement während der „Frau, Leben, Freiheit“-Bewegung anzuknüpfen und diese Menschen auch heute nicht allein zu lassen.
Gerne stellen wir Ihnen eine Liste der betroffenen politischen Gefangenen sowie Informationen zu ihren jeweiligen Fällen zur Verfügung.
Eine politische Patenschaft kann einen Menschen nicht automatisch retten. Aber sie kann zeigen, dass die Welt hinsieht – und dass die Gefangenen nicht vergessen sind.
Bitte werden Sie erneut zur Stimme der politischen Gefangenen im Iran.
Das Massaker des Regimes am iranischen Volk endete nicht im Januar, und es wird nicht enden, solange dieses Regime an der Macht bleibt.
Für Rückfragen und einen weiteren Austausch stehen wir Ihnen jederzeit gerne zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen
Organisation Iranischer Liberaler Frauen