Wöchentlicher Bericht über Menschenrechtsverletzungen im Iran
25. Kalenderwoche – 14. bis 20. Juni 2026
In der 25. Woche des Jahres 2026 zeigte die Islamische Republik Iran erneut, wie außenpolitische und regionale Krisen als Anlass genutzt werden, um den Druck auf die eigene Bevölkerung zu verstärken. Während die Öffentlichkeit die militärischen und politischen Entwicklungen mit Sorge und Unsicherheit verfolgte, setzten die Sicherheits- und Justizorgane eine neue Welle von Hinrichtungen, Massenfestnahmen, sicherheitsbezogenen Verfahren, schweren Urteilen und gesellschaftlichen Einschränkungen gegen Bürgerinnen und Bürger, Aktivistinnen und Aktivisten, Protestierende sowie religiöse Minderheiten um.
Die Woche war von einem deutlichen Anstieg der Hinrichtungen, verstärktem Druck auf Festgenommene der sogenannten „Löwe-und-Sonne-Revolution“, sicherheitsbehördlichen Maßnahmen gegen Bürgerinnen und Bürger unter dem Vorwurf der „Spionage“, der Verfolgung von Künstlern, Anwälten und Studierenden, zahlreichen Festnahmen in verschiedenen Landesteilen sowie zunehmendem Druck auf politische Gefangene geprägt. Gleichzeitig beschlagnahmten die Behörden Vermögen, versiegelten Geschäfte, verhängten Körperstrafen wie Auspeitschungen und verweigerten kranken Gefangenen medizinische Versorgung. Diese Maßnahmen verdeutlichen erneut die anhaltende Nutzung von Einschüchterung und Bestrafung als Mittel staatlicher Kontrolle.
Die Hinrichtungsmaschinerie – Beschleunigung der Todesstrafe in den Gefängnissen
Die vergangene Woche gehörte hinsichtlich der Zahl der Hinrichtungen zu den tödlichsten der letzten Monate. Mindestens 39 Gefangene wurden in verschiedenen Gefängnissen des Landes hingerichtet. Die tatsächliche Zahl dürfte höher liegen, da viele dieser Hinrichtungen ohne offizielle Bekanntgabe und unter weitgehendem Schweigen staatlicher Medien vollzogen wurden.
Unter den Hingerichteten fanden insbesondere die Fälle der politischen Gefangenen Javad Zamani und Abolfazl Saeedi Beachtung. Beide waren im Zusammenhang mit den Protesten vom Januar 2026, die von ihren Unterstützern als „Löwe-und-Sonne-Revolution“ bezeichnet werden, festgenommen worden. Sie wurden nach Verurteilungen unter anderem wegen der Vorwürfe der „Feindschaft gegen Gott“ (Moharebeh) und der „Verderbnis auf Erden“ hingerichtet. Öffentliche Informationen über den Verlauf ihrer Gerichtsverfahren, den Zugang zu unabhängigen Rechtsbeiständen oder die Einhaltung fairer Verfahrensstandards liegen jedoch nicht vor.

Javad Zamani und Abolfazl Saeedi
Ein erheblicher Teil der weiteren hingerichteten Gefangenen war in Verfahren mit Bezug zu Drogendelikten verurteilt worden. In diesem Bereich weist die Islamische Republik Iran weiterhin eine der höchsten Hinrichtungsraten weltweit auf. Zudem wurde berichtet, dass einigen Gefangenen ein letzter Familienbesuch verweigert worden sei und Hinrichtungen teilweise ohne öffentliche Bekanntgabe vollstreckt wurden.
Neben den vollstreckten Hinrichtungen wurde auch der politische Gefangene Ehsan Khodadadi vom Revolutionsgericht in Tabriz wegen des Vorwurfs der „Verderbnis auf Erden“ zum Tode verurteilt. Berichten zufolge stützt sich das Urteil auf Geständnisse, die unter Druck oder Misshandlung erlangt worden sein sollen. Dies verstärkt die Sorge über den möglichen Einsatz erzwungener Geständnisse in Verfahren, die mit Todesurteilen enden.

Ehsan Khodadadi
Vorgehen gegen Protestierende der „Löwe-und-Sonne-Revolution“
Die Repression gegen Festgenommene der landesweiten Proteste vom Januar 2026 hält an. Die Justiz der Islamischen Republik versucht offenbar durch schwere Strafen und die Bestätigung bereits verhängter Urteile, die Kosten politischer Proteste zu erhöhen.
Esmail Khanbaba aus Dezful, der bei seiner Festnahme durch Schüsse von Sicherheitskräften verletzt worden sein soll, wurde nach einer vorübergehenden Freilassung zur medizinischen Behandlung erneut festgenommen und an einen unbekannten Ort gebracht.
Milad Esmailvandi sah sich im Berufungsverfahren mit der vollständigen Bestätigung seines Urteils von zwei Jahren Haft, einem Ausreiseverbot sowie der Verpflichtung konfrontiert, regelmäßig bei einer Behörde zur Förderung des Guten und Verhinderung des Schlechten vorzusprechen.
Khalil Rasouli wurde zu acht Jahren Haft, 80 Peitschenhieben und Verbannung verurteilt. Berichten zufolge wird ihm weiterhin die Behandlung von Schussverletzungen verweigert. Mohammad Norouzi, ein afghanischer Staatsangehöriger, der im Zusammenhang mit den Protesten festgenommen worden war, wurde zu sechs Jahren Haft verurteilt. Der 18-jährige Protestierende Taha Nazari aus Schahrud erhielt ein Urteil von fünf Jahren Gefängnis. Während seiner Haft soll er infolge psychischer Belastungen einen Suizidversuch unternommen haben.

Taha Nazari
Gleichzeitig wurden weitere Personen festgenommen. Mostafa Mohammadi und Mojtaba Yavar wurden in Dehloran festgenommen und sehen sich unter anderem Vorwürfen wie Kontakten zu „feindlichen Staaten“ sowie der Veröffentlichung kritischer Inhalte in sozialen Medien gegenüber.
Neue Sicherheitswelle jeder Kritiker ein „Spion“?
Mit der Verschärfung der militärischen Spannungen greift die Regierung erneut auf den Vorwurf der Spionage zurück, um gegen Kritiker und Oppositionelle vorzugehen.
Das Geheimdienstministerium meldete die Festnahme eines Bürgers in der Provinz Ilam wegen des Verdachts auf Zusammenarbeit mit Israel. Angaben zur Identität der Person, zum Stand des Verfahrens oder zum Zugang zu anwaltlicher Vertretung wurden nicht veröffentlicht.
Der Präsident der Justizbehörde der Provinz West-Aserbaidschan erklärte zudem, seit Beginn der militärischen Auseinandersetzungen seien mindestens 480 Personen wegen mutmaßlicher Delikte im Zusammenhang mit Krieg oder Spionage festgenommen worden. Diese Zahl verdeutlicht das Ausmaß des gegenwärtigen Sicherheitsklimas im Land.
Auch Mahmoud Ghanbarirad, ein Spezialist für Netzwerksicherheit, wird wegen des Vorwurfs einer nachrichtendienstlichen Zusammenarbeit mit Israel im Großgefängnis Teheran festgehalten. Berichten zufolge steht er unter Druck, die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zu akzeptieren.

Mahmoud Ghanbarirad
Im selben Zusammenhang wurden in der Provinz Kerman Vermögenswerte zahlreicher Bürger beschlagnahmt. Behördenvertreter sprachen offen von der Einziehung von Eigentum von Personen, denen eine Zusammenarbeit mit „dem Feind“ vorgeworfen wird.
Repression gegen die Zivilgesellschaft – Von Anwälten und Künstlern bis zu Studierenden
Der Druck auf zivilgesellschaftliche Aktivisten, Anwälte, Studierende und Künstler nahm in dieser Woche weiter zu.
Sohrab Hassankhani, ehemaliger politischer Gefangener und monarchistisch orientierter Aktivist, trat eine zweijährige Haftstrafe an. Golaleh Vatandoust, Rechtsanwältin aus Marivan, verbüßt weiterhin eine langjährige Haftstrafe im Gefängnis von Sanandadsch.
Javad Alikordi wurde zu 18 Jahren Haft, einem lebenslangen Berufsverbot als Anwalt und Verbannung verurteilt. Seyed Mohammadreza Razavifard erhielt eine Haftstrafe von zehn Jahren.

Javad Alikordi
Im Kulturbereich wurden Parastou Ahmadi und acht weitere Beteiligte des Projekts „Karawanserei-Konzert“ zu 74 Peitschenhieben, Ausreiseverboten und Berufsverboten im künstlerischen Bereich verurteilt. Das Urteil verdeutlicht erneut den Einsatz erniedrigender Körperstrafen gegen Kunstschaffende.
Vier Studierende der Khadscheh-Nasir-Universität wurden insgesamt zu sieben Semestern Studienausschluss verurteilt. Studentische Organisationen kritisieren, dass die Entscheidungen unter Verletzung grundlegender rechtsstaatlicher Verfahrensprinzipien getroffen worden seien.
Umfangreiche Festnahmen und Einschüchterung der Gesellschaft
Im ganzen Land waren Dutzende weitere Bürgerinnen und Bürger von Festnahmen, Vorladungen, Geschäftsschließungen und sicherheitsbezogenen Ermittlungsverfahren betroffen.
Zu den festgenommenen Personen gehören unter anderem Ashkan Abkhou in Saqqez, Ali Shokri in Bukan, Hamidreza Rajabpour in Yasudsch, Farhad Ebrahimzadeh, Ghader Bariki und Jafar Bariki in Oshnavieh, Komar Hosseinzadeh in Bukan, Yasin Mahmoudzehi in Sib und Soran, Mojtaba Kakaei in Dehloran sowie drei belutschische Bürger in Zahedan. Zu den Gründen ihrer Festnahme wurden keine transparenten Informationen veröffentlicht.
Gleichzeitig wurden Dutzende Cafés, Restaurants und andere Gewerbebetriebe in Teheran, Chorramabad, Gorgan und Sirjan unter Verweis auf angebliche „Normverstöße“ oder Verstöße gegen Bekleidungsvorschriften geschlossen beziehungsweise versiegelt. Diese Maßnahmen verdeutlichen den weitreichenden staatlichen Einfluss auf den Alltag und die Lebensführung der Bevölkerung.
Gefängnisse – Bestrafung über das Urteil hinaus
Die Lage politischer Gefangener bleibt besorgniserregend.
Parvin Mirasan, eine 69-jährige politische Gefangene, wird trotz mehrerer Erkrankungen weiterhin weder bedingt entlassen noch beurlaubt. Donya Hosseini befindet sich trotz Epilepsie und schwerwiegender neurologischer Erkrankungen weiterhin in Haft. Die Gerichtsmedizin soll erklärt haben, dass ihre weitere Inhaftierung nur bei ausreichender medizinischer Versorgung vertretbar sei, die in der Haftanstalt offenbar nicht gewährleistet ist.

Donya Hosseini
Diese Fälle deuten darauf hin, dass die Vorenthaltung medizinischer Versorgung gegenüber kranken Gefangenen weiterhin als zusätzliches Druckmittel eingesetzt wird.
Druck auf Bahai, Sunniten und religiöse Minderheiten
Auch die Repression gegen Angehörige der Bahai-Gemeinschaft und sunnitische Bürger setzte sich fort.
Noyan Hejazi, ein Bahai aus Sari, wurde nach einer Vorladung zum Geheimdienst festgenommen und anschließend aufgrund mutmaßlicher Misshandlungen in ein Krankenhaus eingeliefert.
Farideh Abdi Yazdi befindet sich weiterhin ohne Klarheit über ihren Rechtsstatus im Gefängnis Dolatabad in Isfahan und soll keinen angemessenen Zugang zu medizinischer Versorgung haben.

Farideh Abdi Yazdi
In Ahvaz wurden mindestens sieben sunnitische Bürger von Sicherheitskräften festgenommen. Über ihren Verbleib oder ihren rechtlichen Status liegen bislang keine Informationen vor.
Familien der Opfer – Wenn Erinnerung kriminalisiert wird
Der Druck auf Angehörige, die Aufklärung und Gerechtigkeit für getötete oder verstorbene Familienmitglieder fordern, hält an.
Tayyebeh Nazari Makiabadi, die Mutter von Maryam Aravin, wurde zu fünf Jahren Haft verurteilt. Der Fall wird von Menschenrechtsaktivisten als weiteres Beispiel dafür gewertet, dass nicht nur mutmaßliche Menschenrechtsverletzungen ungeahndet bleiben, sondern auch Angehörige von Betroffenen wegen ihres Engagements für Aufklärung und Erinnerung unter Druck geraten.

Tayyebeh Nazari Makiabadi
Randgruppen und vergessene Opfer
In den Grenzregionen setzte sich die Gewaltanwendung durch staatliche Kräfte fort.
Aku Salehi, ein Grenzträger aus Baneh, wurde durch Schüsse militärischer Kräfte schwer verletzt. Berichten zufolge erfolgte der Schusswaffeneinsatz ohne vorherige Warnung. Menschenrechtsorganisationen weisen seit Jahren auf die Gefahren hin, denen Grenzträger und Kraftstofftransporteure in den wirtschaftlich benachteiligten Regionen des Landes ausgesetzt sind.

Aku Salehi
Femizid
Die stillen Opfer struktureller Diskriminierung
Im Zusammenhang mit geschlechtsspezifischer Gewalt wurde berichtet, dass eine 20-jährige Frau in Yazd von ihrem Ehemann getötet worden sein soll. Den Berichten zufolge habe der Tatverdächtige zunächst versucht, den Tod als Unfall darzustellen, später jedoch die Tötung eingeräumt.
Der Fall lenkt erneut die Aufmerksamkeit auf rechtliche Defizite, eine Kultur der Straflosigkeit und die unzureichenden Schutzmechanismen für Frauen vor häuslicher Gewalt.
Schlussbemerkung
Die 25. Woche des Jahres 2026 verdeutlicht erneut, dass die Islamische Republik Iran in Krisenzeiten verstärkt auf sicherheitsorientierte Maßnahmen und Repression setzt, anstatt gesellschaftliche Forderungen aufzugreifen. Der deutliche Anstieg der Hinrichtungen, Todesurteile auf Grundlage mutmaßlich erzwungener Geständnisse, die Festnahme Hunderter Personen unter Spionagevorwürfen, das Vorgehen gegen Protestierende der sogenannten „Löwe-und-Sonne-Revolution“ sowie der Druck auf Anwälte, Künstler, Studierende, religiöse Minderheiten und Angehörige von Opfern werden von Menschenrechtsorganisationen als Bestandteile einer umfassenden Strategie zur Kontrolle gesellschaftlicher und politischer Aktivitäten bewertet.
Quellen
Dieser Bericht basiert auf Informationen unabhängiger Menschenrechts- und Nachrichtenquellen, darunter die Nachrichtenagentur HRANA, IranWire, Iran International sowie weitere als glaubwürdig eingestufte Medienquellen.
Aufgrund der weitreichenden Zensur, der erheblichen Einschränkungen beim Zugang zu Informationen und der mangelnden Transparenz staatlicher Institutionen ist davon auszugehen, dass das tatsächliche Ausmaß von Menschenrechtsverletzungen im Iran über die in diesem Bericht dokumentierten Fälle hinausgeht.
Ich habe dabei das persische Datum im Titel entfernt und ausschließlich das gregorianische Datum („14. bis 20. Juni 2026“) verwendet sowie Vorwürfe (Spionage, Zusammenarbeit mit Israel, Straftaten usw.) konsequent als Anschuldigungen, Vorwürfe oder Verdachtsmomente formuliert