Offener Brief an die katholische Kirche in Deutschland zur Menschenrechtslage im Iran

Kirche

Der Iranische Liberale Frauen e.V. hat einen offenen Brief an die katholischen Bischöfe und Kardinäle in Deutschland veröffentlicht und versandt. Darin bitten wir die katholische Kirche, die dramatische Menschenrechtslage im Iran öffentlich sichtbar zu machen und den von Verfolgung, Hinrichtungen und staatlicher Gewalt betroffenen Menschen Solidarität zu zeigen.

Der Brief wurde von zahlreichen Unterstützerinnen und Unterstützern aus Deutschland und dem Ausland unterzeichnet.


Sehr geehrte Herren Bischöfe und Kardinäle in Deutschland,

wir, die Iranischen Liberalen Frauen e.V., sind ein unabhängiger Verein in Deutschland und setzen uns für Menschenwürde, Freiheit, Rechtsstaatlichkeit und die Sichtbarkeit politisch Verfolgter im Iran ein.

Mit diesem Schreiben möchten wir Ihre Aufmerksamkeit auf die aktuelle Menschenrechtslage im Iran lenken.

Mit großer Sorge stellen wir fest, dass die systematischen Menschenrechtsverletzungen im Iran in der öffentlichen Berichterstattung nicht in ihrem tatsächlichen Ausmaß sichtbar werden. Nach Berichten von Menschenrechtsorganisationen dauern Verhaftungen, Einschüchterungen, unfaire Verfahren und Hinrichtungen an. Besonders betroffen sind Frauen, politische Gefangene, Angehörige religiöser Minderheiten und Menschen, deren Schicksal kaum öffentlich bekannt wird.

Besonders erschütternd sind die Berichte über das Massaker im Januar 2026, bei dem Berichten zufolge zehntausende Menschen getötet wurden. In Videos und Augenzeugenberichten ist zu sehen, wie Angehörige in überfüllten Leichenhallen verzweifelt nach ihren Familienmitgliedern suchen. Familien berichten zudem, dass sie hohe Summen zahlen mussten, um die Leichname überhaupt zurückzuerhalten.

Ebenso belegen Berichte und visuelle Zeugnisse, dass selbst verletzte Personen in Krankenhäusern nicht geschützt waren, sondern gezielt getötet wurden. Auch medizinisches Personal wurde unter Druck gesetzt, in Haft sexuell misshandelt oder getötet, weil es Verwundeten geholfen hatte. Krankenhäuser und Orte der Heilung wurden zu Orten der Angst.

Mit ebenso großer Sorge blicken wir auf die nun drohende Hinrichtungswelle gegen die vielen im Zuge der Proteste verhafteten Menschen. Nach Berichten wurden weit über 20.000 Menschen festgenommen. Zahlreiche Verfahren finden ohne rechtsstaatliche Mindeststandards statt, und es gibt deutliche Warnungen vor beschleunigten Todesurteilen und weiteren Hinrichtungen. Zugleich wurden seit Beginn dieses Jahres bereits über 630 Menschen hingerichtet, darunter 28 politische Gefangene, insbesondere im Zusammenhang mit den Protesten im Januar. Für viele Familien bedeutet dies, dass sie nicht nur um ihre Angehörigen bangen, sondern jederzeit mit der nächsten Nachricht von einer Exekution rechnen müssen.

Diese Gewalt erscheint nicht als Folge einzelner Exzesse, sondern als Ausdruck eines Systems, das Andersdenkende systematisch entrechtet und entmenschlicht. Menschen, die nicht dem ideologischen Weltbild entsprechen, verlieren dabei faktisch ihren Schutz und ihre Würde.

Unter den Opfern ist auch der junge Christ Ejmin Masihi, dessen Familie aus Angst vor Repressionen nicht sprechen kann. Zudem gibt es Frauen in Todeshaft, deren Identität und Schicksal im Verborgenen bleiben. Viele dieser Menschen sind nicht nur Opfer der Gewalt, sondern auch eines internationalen Schweigens. Stimmen, die nicht in politische Narrative passen, bleiben oft ungehört.

Wir setzen daher unsere Hoffnung auf die Stimme der Kirche – eine Stimme für Würde, Gerechtigkeit und Menschlichkeit.

„Rette die, die man zum Tod schleppt, und die zur Hinrichtung wanken, halte zurück! Sag nicht: Wir haben davon nichts gewusst! Er, der die Herzen prüft, erkennt es doch.“ (Spr 24,11–12)

Gerade in Zeiten von Unrecht und Schweigen sind moralische Stimmen von entscheidender Bedeutung. Wir bitten Sie daher herzlich, im Rahmen Ihrer Möglichkeiten weiterhin öffentlich auf die Menschenrechtslage im Iran aufmerksam zu machen und besonders auch jene in den Blick zu nehmen, die bislang kaum Gehör finden.

Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie

  • die Lage der politischen Gefangenen und bedrohten Frauen im Iran in einer öffentlichen Stellungnahme, Predigt oder Fürbitte aufgreifen,
  • Ihre Solidarität auch mit weniger sichtbaren Inhaftierten und Opfern staatlicher Gewalt zum Ausdruck bringen,
  • das Anliegen in kirchliche, ökumenische und gesellschaftliche Netzwerke hineintragen.

In diesem historischen Moment kann Ihre Stimme eine entscheidende Rolle spielen, indem sie das Schweigen durchbricht und den Stimmlosen Gehör verschafft.

Wir stehen Ihnen jederzeit zur Verfügung und unterstützen Sie gern mit Kontakten zu Betroffenen oder verlässlichen Informationen. Es wäre uns eine große Ehre, gemeinsam mit Ihnen jenen eine Stimme zu geben, die bislang ungehört bleiben.

Mit freundlichen Grüßen

Iranische Liberale Frauen e.V.

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