Der Hidschāb als Werkzeug der Machterhaltung

Hidschāb

Wenn die Repression ihre eigenen Verteidiger verschlingt: Der Hidschāb als Werkzeug der Machterhaltung


Gestern schlugen die Sicherheitskräfte und Spezialeinheiten der Islamischen Republik mit äußerster Gewalt eine Versammlung von Befürwortern des Gesetzes zur „Förderung der Kultur der Sittsamkeit und des Hidschābs“ vor dem Parlament nieder. Jene, die über Jahre hinweg die ideologischen Prinzipien des Regimes an vorderster Front verteidigt hatten, wurden nun selbst von dem Repressionsapparat zerschlagen, von dem sie einst Schutz erwarteten.

Dieses Ereignis offenbarte eine unbequeme Wahrheit, die das Regime bislang zu verschleiern suchte: Der Hidschāb ist kein unumstößliches Prinzip, sondern ein politisches Instrument, das je nach Erfordernis entweder betont oder in den Hintergrund gedrängt wird. Doch die Eskalation am Parlament war nicht nur ein massiver Gesichtsverlust für die Islamische Republik, sondern entlarvte auch die Widersprüchlichkeit jener Strömung, die in den vergangenen Jahren – sowohl im Westen als auch unter Exiliranern – die These verbreitet hatte, der Hidschāb sei die „Achillesferse“ des Regimes.

Jene, die diese Theorie propagierten, handelten nicht aus Unkenntnis, sondern mit Kalkül: Sie wollten die internationale Öffentlichkeit davon überzeugen, dass der Druck auf das Regime in dieser Frage dessen gesamte Struktur ins Wanken bringen würde. Gleichzeitig lenkten sie innerhalb Irans die Aufmerksamkeit auf den Kampf um die Verschleierungspflicht – und damit weg von den tiefer liegenden Problemen des Systems: von der institutionalisierten Korruption bis hin zur totalitären Natur der Herrschaft.

Nun hat das Regime selbst die Haltlosigkeit dieser Annahme offengelegt. Wäre der Hidschāb tatsächlich die „Berliner Mauer“ der Islamischen Republik, deren Fall das gesamte System zum Einsturz brächte, warum griff die Staatsmacht dann mit solcher Härte jene an, die sich für seine Verteidigung auf die Straße begaben? Die Antwort liegt auf der Hand: Für das Regime ist der Hidschāb kein ideologisches Heiligtum, sondern ein taktisches Mittel – ein Werkzeug, mit dem Krisen gesteuert und in kritischen Momenten geopfert werden, um den Machterhalt zu sichern.

Nun müssen sich jene verantworten, die jahrelang im Westen das Narrativ verbreiteten, der Hidschāb sei der Schlüssel zur Destabilisierung des Regimes. Sie sind nicht Opfer eines analytischen Irrtums, sondern bewusste Akteure einer gezielten Irreführung – einer Irreführung, die den Blick von der eigentlichen Forderung der iranischen Bevölkerung, dem Sturz der Islamischen Republik, ablenken sollte.

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