Dokumentation schwerster Gewaltverbrechen und Massentötungen im Iran seit dem 28. Dezember

Dokumentation schwerster Gewaltverbrechen und Massentötungen im Iran seit dem 28. Dezember

Seit dem 28. Dezember 2025 kommt es im Iran zu landesweiten Protesten gegen die Regierung. Berichten von Personen, die den Iran kürzlich verlassen haben, sowie Telefonkontakten und Satelliten-Internetgeräten zufolge zeichnet sich ein erschütterndes Bild staatlicher Gewalt ab. Die Demonstrierenden wurden landesweit mit extremer Brutalität angegriffen: Sicherheitskräfte setzten schwere Waffen ein, und es kam zu gezielten Tötungen in zahlreichen Städten. Die Gewalt richtete sich gegen die breite Bevölkerung auf der Straße, unabhängig von Alter oder Geschlecht.

Besonders nach dem nationalen Aufruf von Kronprinz Reza Pahlavi stieg die Zahl der Opfer dramatisch an. Berichten zufolge ging das Regime gezielt gegen Personen vor, die ihre Unterstützung für Reza Pahlavi öffentlich zum Ausdruck brachten.

Die Daten belegen, dass Demonstrierende in zahlreichen Städten gezielt getötet werden, Sicherheitskräfte massiv präsent sind und schwere Waffen, darunter DShK-Maschinengewehre sowie weitere auf Fahrzeugen montierte Waffen, zum Einsatz kommen. Berichten zufolge wurden zudem Truppen ehemaliger Mitglieder des Assad-Regimes, die zuvor nach Libanon und in den Irak geflohen waren, in den Iran mobilisiert, ebenso wie die Fatemiyoun-Truppe, bestehend aus afghanischen Söldnern, sowie etwa 5.000 Mitglieder von Al-Haschd al-Shaabi aus dem Irak.

Einsatz schwerer Waffen und Gewaltexzesse

Nach vorliegenden, überprüften Erkenntnissen setzten staatliche Sicherheitskräfte bei Einsätzen gegen Demonstrierende schwere militärische Waffen ein, darunter DShK-Maschinengewehre sowie weitere auf Fahrzeugen montierte Maschinenwaffen (siehe Fotos). Besonders im Zeitraum vom 8. bis 11. Januar kam es im Zuge dieser Einsätze zu großflächigen Gewaltexzessen und mutmaßlichen Massentötungen, insbesondere in Teheran und Mashhad.

Aus vielen Städten wird zudem eine außergewöhnlich starke Präsenz von Militär- und Sicherheitskräften im öffentlichen Raum gemeldet. Augenzeugen beschreiben eine Situation, die faktisch einer militärischen Abriegelung ganzer Stadtgebiete entspricht.

Ein Augenzeuge aus Shahin-Shahr berichtete:

„Zivile Einrichtungen wie Kulturzentren und Verwaltungsgebäude seien zerstört und niedergebrannt worden, ganze Stadtteile wirkten verwüstet. Auf zentralen Straßen habe starker Blutgeruch gelegen; Feuerwehrfahrzeuge hätten große Straßenzüge gereinigt. Krankenhäuser in Shahin-Shahr und Isfahan seien mit Leichen überfüllt gewesen. Unter den Getöteten habe sich auch ein neunjähriges Kind befunden, das in den Armen seiner Mutter starb. Der Augenzeuge appelliert eindringlich, diese Informationen weiterzugeben.“

In den Abendstunden wurden in zahlreichen Städten Maßnahmen eingeführt, die de facto einem Ausnahmezustand gleichkommen. Dazu zählen umfassende Einschränkungen der Bewegungsfreiheit, Kontrollpunkte sowie faktische Ausgangssperren.

Ein weiterer telefonischer Bericht beschreibt die Lage folgendermaßen:

„Die Dimension der Gewalt sei kaum vorstellbar. Es seien Tausende Menschen getötet worden, darunter Freunde, Familienangehörige und Nachbarn. Ohne internationale Unterstützung drohe eine vollständige Eskalation der Gewalt im gesamten Land. Menschen seien vor ihren eigenen Wohnungen getötet worden, darunter minderjährige Mädchen im Alter von 16 bis 18 Jahren. Satellitenanlagen würden entfernt, das Internet sei nahezu vollständig abgeschaltet. Die geschilderten Handlungen erfüllten den Tatbestand von Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit.“

Auf Grundlage der verfügbaren Informationen ist davon auszugehen, dass die tatsächliche Zahl der Todesopfer deutlich über den bislang von IHRNGO und Iran International verifizierten Zahlen liegt. Mehrere unabhängige Schätzungen gehen derzeit von mindestens 20.000 getöteten Demonstrierenden aus.

Darüber hinaus wird geschätzt, dass rund 30.000 Menschen im Zusammenhang mit den Protesten festgenommen wurden. Große Sorge besteht hinsichtlich der Berichte über die massenhafte Verhängung von Todesurteilen in beschleunigten und rechtsstaatlich höchst fragwürdigen Verfahren. Nachdem der Leiter der iranischen Justiz öffentlich zur raschen Verurteilung und Hinrichtung von Demonstrierenden aufgerufen hatte, erklärte der Justizminister am 14. Januar, dass alle Personen, die zwischen dem 8. und 11. Januar auf der Straße festgenommen wurden, als Kriminelle zu betrachten seien.

Zahlreiche Augenzeugenberichte schildern, dass Demonstrierende beim Versuch zu fliehen gezielt erschossen wurden, dass Waffen militärischer Qualität eingesetzt und verletzte Personen auf offener Straße hingerichtet wurden.

Berichten zufolge sollten Sicherheitskräfte verletzte Personen in Krankenhäusern gezielt töten oder „den Gnadenschuss“ geben, bevor sie behandelt werden konnten. Angehörige der Opfer stehen fassungslos vor militärisch befestigten Krankenhäusern und berichten von gewaltsamer Kontrolle medizinischer Einrichtungen durch Sicherheitskräfte. Viele Verwundete seien nicht in staatliche Gesundheitszentren gebracht worden, aus Angst vor Gewalt oder weil sie dort getötet worden seien.

Mehrere Ärzte, Pfleger und Angehörige berichteten zudem, dass viele Verletzte aus den Krankenhäusern verschleppt wurden. Auf vielen Bildern, die vorliegen, tragen die Leichen noch medizinische Utensilien wie Pflaster oder Schläuche (siehe Fotos).

In einigen Fällen wurden Ärzte telefonisch bedroht und angewiesen, Verletzte nicht zu behandeln. Ziel dieser Maßnahmen ist die Kontrolle der Krankenhäuser und die Verhinderung der Verbreitung von Informationen über die Verletzten.

Laut Angaben eines Arztes wurden allein im Noor‑Augenklinikzentrum in Teheran mindestens 6.000 Fälle von Augenverletzungen registriert. Viele der Verletzten erlitten Schäden durch scharfe Munition oder direkte Schüsse. Ein iranisch-deutscher Augenchirurg in München erklärte, dass über 600 Personen in Krankenhäusern aufgrund mangelnder Zeit und Ressourcen ihre Augen verloren hätten.

Familien von Getöteten berichten, dass die Behörden eine Zahlung von einer Milliarde Toman verlangen, um die Leiche ihrer Angehörigen freizugeben. Viele Familien sehen sich dadurch finanziell stark belastet, während staatliche Sicherheitskräfte diese Praxis offenbar nutzen, um Druck auf die Hinterbliebenen auszuüben.

Ein Augenzeuge aus Kerman berichtete, dass staatliche Kräfte am 8. Januar mit Maschinengewehren auf Demonstrierende schossen und allein an diesem Tag mindestens 80 Leichen in ein einzelnes Krankenhaus gebracht wurden.

Ein weiterer telefonischer Bericht aus Mashhad spricht von mehreren hundert Todesopfern am 8. und 9. Januar:

„Wo haben sie ihn getötet?
Warte, ich erzähle es.
Wo haben sie ihn getötet?
Den Onkel haben sie bei Haft‑e Tir, Haft‑e Tir 3, von oben beim Armitaj
erschossen – Scharfschützen haben ihn getroffen.
Sie haben ihm ins Herz geschossen.

Maschhad hat die meisten Toten zu beklagen, sie haben ein Blutbad angerichtet.
In Sureh haben sie über dreitausend Leichen aufeinandergeworfen.

Wer ist sonst noch gestorben?
Vom zwölfjährigen Kind bis zum siebzigjährigen alten Mann
haben sie sie übereinandergeworfen – sie haben ein Massaker verübt.
Sag ihnen, sie sollen dem Volk zu Hilfe kommen.

Schreit die Namen dieser Getöteten.
Schreit die Namen dieser Getöteten.
Sagt, dass sie niemanden verschont haben.

Haben sie den Leichnam übergeben oder nicht?
Wir haben ihn begraben.
Ihr habt ihn begraben?
Am Freitag haben wir ihn begraben.

Mein Gott.“

In mehreren Stadtteilen Teherans, darunter Tehranpars und Sadeghieh, sowie in Teilen von Karaj wurden schwere Waffen, darunter DShK-Systeme, gegen Demonstrierende eingesetzt.

Ein Augenzeuge berichtete über ein mutmaßliches Massaker auf dem Markt von Rascht:

„Ich war Mitglied einer Gruppe von Protestierenden, deren sämtliche Mitglieder getötet wurden. Ich bin der einzige Überlebende dieser Gruppe.
Am Samstag, dem 10. Januar, versammelte sich eine große Menschenmenge zwischen dem Rathausplatz (Meydan-e Shahrdari) und dem Sabzeh-Meydan. Die Zahl der Demonstrierenden war so hoch, dass sich die von beiden Seiten kommenden Menschenmengen rasch vereinigten.
Zunächst versuchten Spezialeinheiten der Sicherheitskräfte sowie Basidsch-Milizen, die Versammlung aufzulösen. Aufgrund der Größe der Menge scheiterten diese Maßnahmen, woraufhin sich die Einheiten vorübergehend zurückzogen.
Die Parolen der Demonstrierenden waren deutlich regimekritisch und beinhalteten Bekundungen der Unterstützung für den Kronprinzen. Trotz der anfänglichen Repressionen blieb die Stimmung zunächst weitgehend friedlich. Dieser Zustand hielt jedoch weniger als eine Stunde an.
Kurz darauf näherten sich aus nördlicher Richtung mehrere schwarze Pick-up-Fahrzeuge, auf deren Ladeflächen bewaffnete Männer standen. Die Personen trugen keine einheitlichen Uniformen: Einige waren klar als Militärangehörige erkennbar, andere trugen militärische Kleidung ohne Rangabzeichen, wieder andere zivile Kleidung.
Aus der Ferne waren bereits Schussgeräusche zu hören, doch zunächst war für die Menge nicht erkennbar, von wo aus geschossen wurde, da keine regulären Sicherheitskräfte in unmittelbarer Nähe sichtbar waren.
Mehrere Menschen wurden getroffen und getötet. Personen mit militärischen Grundkenntnissen erkannten, dass die Pick-ups mit Maschinengewehren ausgerüstet waren und dass von diesen Fahrzeugen aus auf die Menge geschossen wurde. In Panik flohen die Demonstrierenden in südlicher Richtung in den Basar, um über die engen Gassen zu entkommen.
In der Folge wurden weitere Sicherheitskräfte eingesetzt, die mit Schrotflinten und Schusswaffen vorgingen.
Im Bereich des Afkhra-Viertels sowie des alten Basars von Rascht drängte die Menge in die engen Marktgassen. Dort trafen erneut die mit Maschinengewehren ausgestatteten Fahrzeuge ein und blockierten die Zugänge von beiden Seiten.
Laut dem Augenzeugen änderte sich an diesem Punkt das Vorgehen der Sicherheitskräfte grundlegend: Ziel sei nicht mehr die Zerstreuung, sondern die Tötung der Menschen gewesen.
Die Maschinengewehre feuerten aus beiden Richtungen in die eingeschlossene Menge. Menschen aller Altersgruppen, darunter Jugendliche ab etwa 15 Jahren sowie ältere Frauen bis etwa 70 Jahre, wurden getötet.“

Der Überlebende schätzt, dass zwischen 1.000 und 2.000 Menschen allein in diesem Abschnitt des Basars ums Leben kamen.

Diese Muster weisen auf ein geplantes und systematisches Vorgehen hin, dessen Ziel die massenhafte Tötung und Auslöschung von Zivilisten ist. Die Verantwortung hierfür liegt bei Ali Khamenei sowie bei den Personen und Institutionen, die unter seiner Autorität handeln. Es handelt sich dabei um eines der schwersten Verbrechen unserer Zeit.

Nach aktuellen, noch unbestätigten Schätzungen liegt die Zahl der Todesopfer bei rund 20.000. Aufgrund der vollständigen Abschaltung des Internets sowie der stark eingeschränkten Informationszugänge ist eine unabhängige Überprüfung und Bestätigung weiterer Opferzahlen derzeit nur sehr eingeschränkt möglich.

Laut Informationen aus dem Obersten Nationalen Sicherheitsrat, dem Präsidialamt, der Revolutionsgarde, von medizinischem Personal, Augenzeugen sowie den Familien der Opfer erfolgte dieses Massaker auf direkten Befehl von Ali Khamenei, mit Kenntnis und ausdrücklicher Zustimmung der Spitzen aller drei Staatsgewalten und durch einen direkten Schießbefehl.

Die internationale Gemeinschaft ist völkerrechtlich verpflichtet, unverzüglich zu handeln, um weitere Tötungen zu verhindern und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Die Menschen im Iran benötigen dringend internationale Unterstützung.

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