Sediqeh Dowlatabadi

Sediqeh Dowlatabadi

Sediqeh Dowlatabadi – Eine Wegbereiterin der Frauenrechte und Bildung im Iran

Sediqeh Dowlatabadi war eine der herausragendsten Pionierinnen der Frauenbewegung im Iran, eine versierte Journalistin und eine unermüdliche Verfechterin der Frauenrechte. Als eine der ersten Frauen, die den Kampf für Gleichberechtigung aufnahmen, spielte sie eine maßgebliche Rolle bei der Förderung der Bildung für Mädchen und der Bewusstseinsbildung unter Frauen. Von dem Moment an, in dem sie sich diesem edlen Streben verschrieb, bis zu ihrem letzten Atemzug wich sie keinen Augenblick von ihrem Weg des Engagements und der Hingabe ab.

 

Leben und Bildung

Sediqeh Dowlatabadi wurde im Jahr 1883 in Isfahan geboren. Ihre Familie zählte zu den gebildeten und aufgeklärten Kreisen jener Zeit, was ihr früh den Zugang zu Wissen und gesellschaftlichem Engagement eröffnete. Von Beginn an zeigte sie eine tiefe Leidenschaft für Bildung und soziale Reformen. Nach ihrer Schulzeit im Iran setzte sie ihr Studium in Frankreich fort, wo sie mit den fortschrittlichen Frauenbewegungen Europas in Berührung kam – eine Erfahrung, die ihr weiteres Wirken maßgeblich prägte.

  1. Engagement und Kampf für Frauenrechte

1.1. Förderung der Bildung für Mädchen

Dowlatabadi war eine der ersten, die sich mit unermüdlichem Einsatz für die Gründung von Mädchenschulen im Iran starkmachte. Sie erkannte die fundamentale Bedeutung von Bildung als Schlüssel zur Emanzipation der Frauen und kämpfte leidenschaftlich für das Recht der Mädchen auf Wissen und Selbstbestimmung.

1.2. Gründung der Frauenvereinigung „Anjoman-e Mokhadarat“

Mit der Verkündung der konstitutionellen Revolution durch Mozaffar ad-Din Schah Qajar in Teheran nahm Dowlatabadi, die nach ihrer Eheschließung in die Hauptstadt zog, gemeinsam mit einer Gruppe fortschrittlicher Frauen die Gründung der „Anjoman-e Mokhadarat“ in die Hand.

Diese zunächst im Geheimen operierende Organisation war die erste, die sich offiziell für die Rechte der Frauen einsetzte. Ihre Mitglieder unterstützten anfangs die konstitutionelle Bewegung Seite an Seite mit den Männern. Doch trotz ihres unermüdlichen Einsatzes fanden Frauen in der neu entstehenden Gesetzgebung keinen Platz. Selbst jene Parlamentarier, die mit der Unterstützung von Frauen in die Nationalversammlung gelangt waren, stellten sich später offen gegen deren Recht auf Bildung.

Angesichts dieser tiefen Ungerechtigkeit formierte sich innerhalb der Frauenbewegung ein entschlossener Widerstand. Die „Anjoman-e Mokhadarat“ entstand als direkte Reaktion auf diese Marginalisierung und setzte sich mit Nachdruck für die Gleichstellung der Frauen ein. Zu ihren bedeutendsten Errungenschaften gehörten die Gründung von Mädchenschulen, die Reduzierung überhöhter Mitgiftforderungen, die Förderung heimischer Produktion sowie die Unterstützung der Nationalbank – allesamt Meilensteine auf dem Weg zur gesellschaftlichen Anerkennung der Frauen im Iran.

Diese Vereinigung trat im November 1909 in einer der entscheidenden Phasen der iranischen Geschichte in Erscheinung – zu einer Zeit, als Russland dem Iran ein Ultimatum stellte, weil das Land ausländische Finanzberater, darunter Morgan Shuster, eingestellt hatte. In einer machtvollen Demonstration versammelten sich die Frauen zu einem großen Meeting im Parlament, gehüllt in Totengewänder, mit Waffen verborgen unter ihren Tschadors. Vor den Volksvertretern sprachen sie eine unmissverständliche Warnung aus: Wenn die Abgeordneten nicht in der Lage seien, das Land zu regieren und sich der ausländischen Einmischung entgegenzustellen, dann sollten sie weichen und den Frauen die Führung des Landes überlassen.

 

  1. Journalismus – Die Stimme der Frauen

Im Jahr 1921 rief Sediqeh Dowlatabadi die Zeitschrift Zaban-e Zanan („Die Sprache der Frauen“) ins Leben – ein bahnbrechendes Medium, das sich den Rechten der Frauen, der Notwendigkeit von Bildung und tiefgreifenden sozialen Reformen widmete. Trotz massiven Drucks seitens der Regierung hielt sich die Zeitschrift über Jahre hinweg und entfaltete eine prägende Wirkung auf das wachsende Bewusstsein der Frauen für ihre Rechte und ihre gesellschaftliche Stellung.

Zaban-e Zanan war das erste Organ seiner Art, das konsequent für die Rechte der Frauen eintrat und mit Nachdruck verkündete: „Es werden ausschließlich die Schriften von Mädchen und Frauen akzeptiert.“ In ihrer frühen Phase befasste sich die Zeitschrift – ähnlich wie viele Frauenpublikationen jener Zeit – vornehmlich mit der Dringlichkeit der Mädchenerziehung, der Notwendigkeit der Gründung von Schulen für Mädchen sowie mit Aspekten des privaten Lebens, etwa der Wahl eines Ehepartners, den Beziehungen zwischen Ehefrau und Ehemann oder den Grundsätzen der Haushaltsführung.

Doch Zaban-e Zanan ging weit über diese Themen hinaus: Mit scharfem analytischem Blick setzte sich die Zeitschrift mit den männlich dominierten Machtstrukturen und den überkommenen gesellschaftlichen Normen auseinander. Sie kritisierte die tradierten Geschlechterverhältnisse und suchte nach neuen Wegen, um eine tiefgreifende Transformation der gesellschaftlichen Ordnung herbeizuführen – eine Vision, die den Grundstein für den weiteren Kampf um die Rechte der Frauen legte.

Zaban-e Zanan ging weit über die bisher geäußerten Themen hinaus und wagte es, das Verhalten der Staatsmänner zu kritisieren. Sie stellte sich vehement gegen den Vertrag von 1919 und den wachsenden Einfluss der Briten im Iran. Diese mutige Haltung führte dazu, dass radikale religiöse Kräfte das Haus und das Büro der Zeitung stürmten, Dowlatabadi sowie die Frauen, die dort tätig waren, bedrohten und versuchten, sie einzuschüchtern. Doch diese Drohungen vermochten ihren Widerstand nicht zu brechen. Schließlich erließ Sepahdar-e Tankabani einen Befehl zur Beschlagnahmung der Zeitschrift und wandte sich mit einer entsprechenden Anordnung an die Polizei von Isfahan. Der damalige Polizeichef von Isfahan überbrachte den Beschlagnahmungsbefehl an Dowlatabadi und sagte zu ihr: „Madame, Sie sind hundert Jahre zu früh auf die Welt gekommen.“ Dowlatabadi, die das Schreiben in ihrer Tasche aufbewahrte, entgegnete ihm ruhig: „Sie irren sich, Herr. Ich bin hundert Jahre zu spät geboren. Denn hätte ich zur richtigen Zeit gelebt, würde ich nicht zulassen, dass Frauen heute in Ketten liegen und unter der Herrschaft Ihrer Männer in Schande und Unterdrückung leben.“

Nach der Einstellung von Zaban-e Zanan kehrte Dowlatabadi nach Teheran zurück und setzte ihre sozialen Aktivitäten unermüdlich fort. Sie gründete zusammen mit einer Gruppe von fortschrittlichen Frauen die „Anjoman-e Azmayeishi-e Zanan“ (die Experimentelle Frauenvereinigung) und eröffnete eine Schule für benachteiligte Mädchen. 1922 reiste sie nach Frankreich, um an einem Internat weiter zu studieren und schrieb zugleich in renommierten Zeitungen wie Time über die Bedeutung der Frauenunabhängigkeit. 1926 nahm sie am Internationalen Frauenkongress in Paris teil, wo sie eine herausragende Rede über die soziale und politische Stellung der Frauen hielt.

 

  1. Engagement in Frauenvereinigungen: Sie war eine der herausragendsten Mitglieder der Nasvan-e Vatankhah, einer der ersten und einflussreichsten Frauenrechtsorganisationen im Iran. Diese Vereinigung verfolgte das edle Ziel, die Lage der Frauen in den Bereichen Bildung, soziale Stellung und Wirtschaft nachhaltig zu verbessern.
  2. Kampf für die Rechte der Frauen: Dowlatabadi zählte zu den entschlossenen Aktivistinnen, die mit unerschütterlichem Engagement die Veränderung der diskriminierenden Gesetze zugunsten der Frauen forderten. Ihr Anliegen galt insbesondere der Gewährleistung des Rechts auf Bildung, auf Arbeitsmöglichkeiten und auf eine aktive Teilnahme am gesellschaftlichen Leben.

Sediqeh Dowlatabadi

Rückkehr nach Iran und Fortsetzung ihrer Arbeit

Nach Abschluss ihres Studiums in Frankreich kehrte sie in den Iran zurück und setzte ihren unermüdlichen Einsatz für die Frauenrechte fort. Ihre Bemühungen erlangten weitreichende Bedeutung und inspirierten unzählige iranische Frauen. Sie spielte eine zentrale Rolle in der Förderung und dem Fortschritt der Frauenbewegung im Iran. Als Mitbegründerin des Kanoon-e Banouvan-e Iran (Vereinigung der Frauen Irans), die 1935 ins Leben gerufen wurde, setzte sie sich für die Rechte der Frauen mit großer Hingabe und Entschlossenheit ein.

Im Jahr 1951, als Dr. Mohammad Mossadegh das Wahlgesetz überarbeitete, richtete sie einen eindringlichen Brief an ihn und forderte nachdrücklich, das Wahlrecht der Frauen in das neue Gesetz aufzunehmen.

Trotz aller Bemühungen von Mossadegh, dieser Bitte gerecht zu werden, blieb der Erfolg aus. Doch die Entschlossenheit von Dowlatabadi und ihren Mitstreiterinnen erlahmte keineswegs. Schließlich, im Jahr 1962, wurde im Rahmen des fünften Artikels der Prinzipien der Revolution von Schah und Volk das Wahlrecht für Frauen formalisiert – ein Recht, das Dowlatabadi jedoch nie ausüben konnte, da sie es nicht mehr erlebte und ihre Stimme nicht mehr in die Urne legen durfte.

Sediqeh Dowlatabadi

Tod und Vermächtnis

Sediqeh Dowlatabadi verstarb 1961 im Alter von 78 Jahren an den Folgen einer Krebserkrankung. Gerüchten zufolge hatte sie in ihrem letzten Willen festgelegt, dass ihr Leichnam auf Wunsch ihrer selbst vom Kanoon-e Banouvan (Vereinigung der Frauen Irans) begleitet und in Zargandeh beigesetzt werden solle. Zudem hatte sie verfügt, dass bei ihrer Beerdigung keine Frau mit Schleier erscheinen dürfe. Diese Entscheidung wurde von radikalen Kräften später als Vorwand genutzt: Im Jahr 1978 stürmten sie den Friedhof, zerstörten das Grab von Sediqeh Dowlatabadi sowie das ihres Bruders Mohammad Ali Dowlatabadi und von Mahmoud Nariman. Jahre später, während der Amtszeit des Bürgermeisters Ahmadinejad, wurde auf dem ehemaligen Friedhofsgelände ein Park errichtet, um jegliche Spuren der Gräber zu tilgen. Trotz der Vernichtung ihres Grabes bleibt das Vermächtnis dieser außergewöhnlichen Frau lebendig. Ihr unermüdlicher Einsatz für die Rechte der Frauen und die Gleichberechtigung hat ihren Namen für immer in der Geschichte der iranischen Frauenbewegung verankert.

Ihr Einfluss auf die iranische Frauenbewegung ist nach wie vor spürbar. Ihre wegweisenden Bemühungen in den Bereichen Bildung und Frauenrechte legten den Grundstein für entscheidende gesellschaftliche Veränderungen im Iran. Noch heute wird ihr Name als eine der einflussreichsten Frauen in der Geschichte Irans im Bereich der Frauenrechte verehrt.

Quellen:

von: Leila Dehghan

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