Pahlavi oder Pahlavismus? Wonach rufen die Menschen im Iran?

Pahlavi

Für viele stellt sich diese Frage: Warum rufen Iraner den Prinzen im Exil? War die Revolution von 1979 nicht ein Aufstand gegen ihn? Rufen sie Reza Pahlavi bloß deshalb, weil sie des herrschenden islamischen Regimes müde geworden sind?

Ich will in diesem Text die Geschichte nicht noch einmal von vorn aufrollen. Ich will nicht darlegen, was die Konstitutionelle Revolution von 1906 war, warum der Sturz der Regierung Mossadegh im Jahr 1953 kein Putsch gewesen sei und weshalb ein großer Teil der Bevölkerung aus psychologischer Sicht infolge dieses Sturzes einen bleibenden „Komplex“ entwickelte. Ich will auch nicht ausführen, wie die Persönlichkeit Mohammad Reza Schahs den Gang der Politik beeinflusste, warum die „Weiße Revolution“ stattfand und wie es in den 1960er Jahren zur massenhaften Migration vom Land in die Städte kam, warum eine unausgewogene Entwicklung die sozialen Voraussetzungen der Revolution schuf, weshalb der Anstieg der globalen Ölpreise im Iran Inflation auslöste oder wie die marxistisch-leninistische Tudeh-Partei zur Veränderung der politischen Bühne beitrug. All diese Themen sind umstritten, und selbstverständlich haben sie zur Herausbildung der heutigen Lage Irans beigetragen. Mein Anliegen ist ein anderes: Ich möchte zunächst klären, warum heute die Mehrheit der Menschen im Iran wünscht, dass Reza Pahlavi, der Prinz im Exil, die Führung der Übergangszeit übernimmt, und was das eigentlich bedeutet.

Die Kultur ist ihren eigenen Weg gegangen

Ich schreibe diese Zeilen jetzt, fast zwei Wochen nach Beginn des Krieges zwischen Iran und den USA/Israel, an einem Ort fern von Teheran, während ich Musik höre, gesungen von Googoosh, jener iranischen Sängerin, die in der Pahlavi-Zeit berühmt wurde. Und genau hier scheint mir ein guter Ausgangspunkt zu liegen: Warum sind ich und viele andere, Alte wie Junge, noch immer Hörer der Musik von Hayedeh, Googoosh, Martik, Ebi und anderen Künstlern aus der Zeit vor der Revolution, obwohl seit der Islamischen Revolution von 1979 inzwischen 47 Jahre vergangen sind?

Sogar diejenigen, die nur halb so alt sind wie ich und mit der revolutionären Atmosphäre nach dem Sieg der Islamisten kaum noch etwas verbindet, hören diese Musik. Und das, obwohl diese Art von Musik im staatlichen Rundfunk und Fernsehen der Islamischen Republik niemals ausgestrahlt wird. Sei es, weil aus Sicht der schiitischen Machthaber das Hören einer Frauenstimme verboten ist, sei es, weil manche Lieder die staatliche Zensur nicht passieren und daher nicht offiziell veröffentlicht werden können. Noch immer, nach 47 Jahren, sind Bilder von Musikinstrumenten im staatlichen Fernsehen selten zu sehen, und Konzerte in der für Schiiten bedeutenden Stadt Maschhad sind verboten. Das alles, obwohl auch nach der Revolution gute Sängerinnen, Sänger und Komponisten im Iran hervorgebracht wurden.

Diese scheinbar einfache Frage legt eine wichtige Wahrheit frei: Kulturell ist die iranische Gesellschaft, selbst nach der Revolution, im Grunde auf ihrem vorrevolutionären Weg weitergegangen und hat sich dem strukturellen Druck der schiitischen Herrscher widersetzt. Anders gesagt: Zwischen dem Weg, den die Gesellschaft kulturell eingeschlagen hat, und dem Weg, den die offizielle Politik des Iran gegangen ist, besteht seit Beginn der Revolution eine Kluft. Und diese Kluft hat sich im Lauf der Zeit nicht geschlossen, sondern vertieft.

Die Geschichte neu denken

Ähnlich verhielt es sich mit dem Verständnis von „Entwicklung“ und „Aufbau“, das die Menschen im Iran vor Augen hatten. Es unterschied sich von dem, was die islamische Regierung darunter versteht, die es vorzieht, den Begriff durch das islamisch konnotierte Wort „Wachstum“ zu ersetzen, um seinen Inhalt anders zu deuten als auf dem Weg der Pahlavi-Zeit.

Vielleicht war die Vorstellung der breiten iranischen Gesellschaft von Entwicklung zur Zeit der Revolution von 1979 noch roh und unreif. Viele meinten damals, man könne sich sehr rasch auf das Niveau der entwickelten westlichen Länder bringen. Solche Vorstellungen wurden durch die Propaganda islamistischer Kräfte ebenso wie durch die marxistisch-leninistischen Kräfte der Tudeh-Partei gegen die Regierungen der Pahlavi-Zeit und gegen Mohammad Reza Schah persönlich mobilisiert. Nach und nach aber machten die Entwicklungen nach der Revolution von 1979 einem großen Teil der Iraner deutlich, dass der Weg, den die islamische Herrschaft eingeschlagen hatte, keineswegs zu einer Verbesserung der materiellen Lebensverhältnisse führte. Und kulturell gilt: Wenn wir nicht rückwärtsgegangen sind, dann haben wir doch oft genug auf der Stelle getreten.

Der einfachste Maßstab, mit dem gewöhnliche Menschen eine Verbesserung der Lage bemessen, ist der Wert des iranischen Rial gegenüber dem US-Dollar. Zugleich ist in den vergangenen rund fünfzig Jahren das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen eines großen Teils der Bevölkerung, gemessen in konstanten Dollar, Tag für Tag gesunken, während die soziale Kluft gewachsen ist. Auch jene Versprechen, die eher an die Verheißungen eines „Wohlfahrtsstaates“ erinnerten und bei der Mobilisierung der Menschen im Jahr 1979 eine Rolle gespielt hatten, wurden nicht eingelöst. Soziale Freiheiten wurden den Menschen genommen; der politische Raum wurde immer enger; die Chance auf Reformen schwand; und die Reformer, die zeitweise an der Macht waren, unterschieden sich in wesentlichen Punkten kaum von konservativeren Hardlinern. Die Bühne politischer Konkurrenz in den inszenierten Wahlen wurde von Mal zu Mal bedeutungsloser und leerer an tatsächlichem politischem Gehalt, so dass es beinahe wirkte, als habe sich die Distanz zwischen dem Ausdruck von Politik, politics, und dem Politischen, the political, vergrößert. Zugleich wurde deutlich, dass das weitverzweigte bürokratische System ineffizient, korrupt und teuer war. Die Umwelt- und Wasserpolitik erzeugte schwere Krisen.

Die Landwirtschaft blieb traditionell und wurde nicht industrialisiert. Produzenten und Industrielle litten, unter Steuerdruck und Korruption brach ihnen der Rücken. Die Paramilitärs drangen immer tiefer in die Wirtschaft ein, während sie sich zugleich selbst von Steuer- und Zollpflichten ausnahmen. Universitätslehrstühle wurden nach und nach von wissenschaftlich qualifizierten Personen entleert und stattdessen mit religiösen Akteuren, Militärangehörigen oder antiamerikanischen Linken besetzt – ein Vorgang, der sich auch im Verwaltungs- und Planungssystem des Landes wiederholte. Arbeitslosigkeit griff um sich. Die außenpolitischen Beziehungen des Iran wurden von Tag zu Tag angespannter. Das wirtschaftliche Potenzial des Tourismus blieb ungenutzt. Und der soziale Druck im Zusammenhang mit islamischer Verschleierung oder dem Konsum alkoholischer Getränke blieb bestehen, nicht selten begleitet von Gewalt, Tötung und Demütigung.

So verstanden die Menschen im Alltag immer deutlicher, dass der Weg, auf dem sich die Gesellschaft bewegte, kein Weg der Entwicklung und des Aufbaus war, sondern auf Zerstörung, Armut, Demütigung und Rückständigkeit hinauslief – und das in einer Zeit, in der andere Länder, gerade auch in der Region, deren zivilisatorische Geschichte nicht an die Irans heranreichte, sich in Richtung Entwicklung bewegten.

Genau dies führte dazu, dass sich immer mehr Iraner – vor allem Jüngere, die von der linksbewegten Atmosphäre der 1960er und 1970er Jahre kaum noch etwas wussten oder nicht verstanden, warum der Reichtum ihres Landes für Palästina oder für die Ausweitung militärischen Einflusses in der Region aufgewendet werden sollte – erneut der Geschichte zuwandten. Zahlreiche Bücher wurden auf Persisch zu diesen Fragen veröffentlicht, auch wenn es so scheint, dass die breite Öffentlichkeit sie womöglich gar nicht gelesen hat. Für die Mehrheit der Menschen, insbesondere für weniger gebildete Gruppen, verbreitete sich der Zugang zu neuen historischen Lesarten vielmehr über bestimmte Satellitenfernsehkanäle, über YouTube und andere soziale Plattformen. So entstand die Grundlage für ein neues Nachdenken über Geschichte, fern von staatlicher Propaganda und staatlicher Zensur. Tag für Tag nahm die Zahl derjenigen zu, die nach dem „Warum der Rückständigkeit der iranischen Gesellschaft“ fragten, und immer neue Inhalte wurden produziert, um unterschiedliche Seiten dieser Frage zu beantworten. Auch in familiären und freundschaftlichen Runden, die in der iranischen Gesellschaft sehr verbreitet sind, kam es immer wieder zu generationenübergreifenden Gesprächen, um besser zu verstehen, „was wir sind“.

Zugleich entstand durch das Internet-Zugang zu Serien, Nachrichten und Bildern aus dem Westen und aus dem sich entwickelnden Osten im Bewusstsein vieler Iraner ein Bild davon, „wie es sein sollte“. Das ging einher mit dem Anstieg höherer Bildung unter Jugendlichen und mit weit verbreiteter Migration in den Westen. So entwickelten sich auch Gespräche über den Unterschied zwischen unserer gegenwärtigen Lage, einer Lage, die unter idealen Bedingungen hätte sein können, und der Lage, die eigentlich sein sollte.

In diesem Sinne kann man sagen, dass „Politik“ zum wichtigsten Gegenstand der Gespräche zwischen den Menschen wurde. Anders formuliert: Die Paradoxien des Politischen, the political, die im formellen politischen System, politics, des Landes keinen Raum zur Darstellung fanden, drangen in die informellen Räume des gesellschaftlichen Lebens ein.

Diese erneute Lektüre und allmähliche Neubewertung der Geschichte führte die breite Öffentlichkeit mehr und mehr zu dem Schluss, dass der Weg, den Mohammad Reza Schah Pahlavi aus wirtschaftlicher und sozialer Sicht eingeschlagen hatte, der richtige gewesen sei. Warum also machten die „Siebenundfünfziger“ – ein Ausdruck, der heute für die Revolutionäre von 1979 beziehungsweise 1357 gebräuchlich ist und meist als Schimpfwort und Vorwurf verwendet wird – die Revolution? Die jüngeren Generationen, die eine pragmatische Haltung entwickelten und von der alten Atmosphäre des Idealismus weit entfernt waren, fragten ihre Väter und Großväter: „Was hat euch eigentlich gefehlt, dass ihr die Revolution gemacht habt? Hattet ihr ein zu gutes Leben?“

Am Ende lässt sich sagen, dass sich in der Gesellschaft eine Art Resümee herausgebildet hat: Nicht die Form der Regierung ist entscheidend, sondern ihr Inhalt. Es ist nicht wichtig, ob das politische System eine konstitutionelle Monarchie, eine parlamentarische Demokratie oder eine Präsidialrepublik ist. Entscheidend ist, dass das Land im Schatten wirtschaftlicher Beziehungen zur Welt und größerer sozialer und politischer Freiheiten „aufgebaut“ wird und sich „entwickelt“, damit sich auch der „Homa des Glücks“[1] auf die Schulter Irans setzt.

Erklärung der Organisation Iranische Liberale Frauen anlässlich des 8. März – Internationaler Frauentag

Ein weiteres Ergebnis des Neudenkens der Geschichte

Dieses neue Nachdenken über Geschichte hatte noch ein weiteres Ergebnis zur Folge: die Stärkung des Patriotismus, verstanden als Fürsorge für die Heimat. Die beiden Wörter „fragen“ und „pflegen/sich kümmern“ haben im Altpersischen eine gemeinsame Wurzel und verweisen auf Bewahren, Behüten und Erhalten.

Es ist von großer Bedeutung, dass dieser iranische „Patriotismus“ auf keinen Fall als „Nationalismus“ oder gar „Faschismus“ übersetzt wird. Selbst die Übersetzung mit „Patriotismus“ ist nicht unproblematisch. Der Ausdruck „Heimatliebe“ oder „Liebe zur Heimat“ meint im Persischen stärker ein Lieben und Bewahren des Mutterlandes; etwas, das einen mütterlichen Charakter hat, dessen Umarmung allen offensteht und das gerade nicht als defensive oder beschützende Haltung gegen feindliche „Andere“ zu verstehen ist.

Die verstärkte Aufmerksamkeit für die Heimat und das Land Iran führte dazu, dass sich die unterschiedlichen iranischen Ethnien einander stärker verbunden fühlten und besser als je zuvor verstanden, dass sie gewissermaßen Vettern voneinander sind, und dass Iran nichts anderes ist als eben diese historisch gewachsene, außerordentlich friedliche ethnische Vielfalt.

Zwei weitere Faktoren verstärkten dieses Gefühl von Patriotismus und Iranliebe ebenfalls – vielleicht unbeabsichtigt und gegen den Willen der Herrschenden. Zum einen die Islamische Azad-Universität, die in fast jeder Stadt des Iran eine Niederlassung hatte und viele Menschen dazu brachte, wenn auch nur vorübergehend, zum Studium in andere Städte zu gehen, dort die Kultur anderer iranischer Ethnien kennenzulernen und mitunter sogar in diese hineinzuheiraten. Zum anderen internationale Sanktionen, der fortschreitende Wertverlust des iranischen Reisepasses und der anhaltende Einkommensrückgang, die den Inlandstourismus und das Reisen innerhalb des Landes förderten – und damit auch eine stärkere Entdeckung Irans selbst sowie eine größere Akzeptanz der Vielfalt seiner ethnischen Subkulturen.

Natürlich gab es auch andere kulturelle Entwicklungen. So wurden etwa das Rezitieren des Shahnameh[2], die erneute Hinwendung zur reichen persischen Literatur und die Pflege iranischer Musik in diesem Zusammenhang verbreitet. Meiner Ansicht nach versuchte auch die Regierung nicht ernsthaft, diese Entwicklung zu behindern, und zuweilen stärkte sie diesen kulturellen Kitt sogar, selbst wenn sie ihn in bestimmten Fällen fürchtete.

Am Ende wurde das Bild von „Iran“ in der Gestalt, in der es gewesen ist, ist und sein sollte, neu aufgebaut. Die Ebene des Diskurses und der Symbole, die Bedeutung von „Iran“ und seine Verbindung mit „Aufbau“, erreichten eine sinnstiftende Ebene, die bis zu einem gewissen Grad mit dem historischen Sein Irans übereinstimmte, zugleich aber von der staatlichen Lesart abwich. Die Regierung hatte den Kampf um die Deutungshoheit verloren. Wichtig war nun Iran selbst – nicht mehr eine bestimmte Auslegung des schiitischen Islam.

Endstation

Meiner Ansicht nach ereignete sich das erschütterndste Ereignis am 9. und 10. Januar 2026. Dies war ein Wendepunkt, der zeigte, dass die Gewalt derjenigen, die aus Überzeugung zu den Waffen greifen, grenzenlos ist. Das entsetzliche Massaker, das sich ereignete, und die furchtbaren Tötungen, die danach weitergingen, deren Nachrichten sich nach und nach von Mund zu Mund verbreiteten und das ganze Ausmaß des Schreckens sichtbar machten, versetzten die Gesellschaft in einen tiefen Schock und brachten viele zu dem Schluss, dass dieses Regime um jeden Preis überwunden werden müsse – selbst durch Krieg und äußere militärische Hilfe. Dieser Schock war so groß, dass nur noch wenige über die Bitterkeit, die Schmerzen und die Katastrophen des Krieges nachdachten. Das Befürworten des Angriffes gewann mithilfe der neuen Medien eine solche moralische Wucht, dass selbst jemand wie ich, wenn er an die Schrecken und das Leid des Krieges erinnerte, sofort den Angriffen anderer, von Zorn erfüllter Menschen ausgesetzt war.

All dies führte mehr und mehr zu dem Ergebnis: „Wir müssen uns Iran zurückholen“, denn „Iran ist in die Hände derer gefallen, die nicht an Irans Entwicklung denken“, ja mehr noch: als wären „sie überhaupt keine Iraner“. Immer wieder war zu hören: „Sie sind gekommen, um Iran zu zerstören“ oder „sie sind gebracht worden“. So gelangte die Masse der Menschen, die jahrelang durch Teilnahme an Wahlen, von denen sie wussten, dass sie inszeniert waren, oder durch Teilnahme an Straßenprotesten versucht hatte, den Weg der Reformen zu gehen, zu einem Konsens: „Dieses Regime ist nicht reformierbar.“

Dann belebten die Iraner, gestützt auf literarische, historische und altiranische Elemente, die revolutionären Symbole neu: Kaveh, Fereydoun, das kavianische Banner, das Abschneiden der Haarlocke der Farangis, die Sichtung eines Vogels namens „Homa des Glücks“ im Alborz-Gebirge – jenem Gebirge, in dem Zahhak im Damavand des Alborz gefesselt wird. Und sie forderten, dass im letzten Schritt „die dritte Feder des Simorgh“ verbrannt werde, jene Feder, die Ferdowsi, der iranische Epiker, in seinem Gedicht nie verbrannt habe und gleichsam für die kommenden Generationen zurückgelassen habe.

Natürlich sind diese symbolischen und mythologischen Elemente vielen westlichen Lesern fremd. Aber nichts anderes vermag das Gefühl der heutigen Iraner so gut zu vermitteln wie eben diese Mythen. Und vielleicht sollte man auch wissen, dass viele überzeugt sind: Immer dann, wenn Iran in einem Augenblick großer Gefahr war, hat das iranische Volk die Feder des Simorgh gerade nicht verbrannt. Es hat das eigene Leben geopfert, um die letzte Feder des Simorgh für die kommenden Generationen zu bewahren.

Diese Feder des Simorgh war in der Gegenwart der Prinz im Exil, Reza Pahlavi. Er ist der Erbe seines bekannten und beliebten Großvaters Reza Schah Pahlavi und seiner fürsorglichen Eltern, Mohammad Reza Schah Pahlavi und Königin Farah Diba – bei allen ihren Fehlern –, an deren Iranliebe und Modernisierungswillen heute nur noch wenige zweifeln. Er ist der Einzige aus der Opposition, der vertrauenswürdig ist, weil er niemals irgendeine Beziehung zum verschlagenen Regime der Islamischen Republik hatte und auch heute keine hat. Er gehört weder zur Gruppe der Reformisten und Infiltrierten der Islamischen Republik, die in Gestalt von Studenten, Forschern, politischen Kommentatoren und dergleichen in den Westen exportiert wurden, um im Ernstfall nützlich zu sein; noch hat er irgendeine Verbindung zur Organisation der Mudschahedin-e Khalq, die im Iran zutiefst und weithin verhasst ist; noch steht er separatistischen Gruppen nahe. Gerade deshalb ist Reza Pahlavi für ein Volk, das tausend Täuschungen und Listen erlebt hat, vertrauenswürdig.

Wenn die Menschen ihn heute rufen, dann rufen sie in Wahrheit jemanden, der kommen und das Land auf den Weg von „Modernismus“, „normalem Leben“, „normalen Beziehungen zur Welt und zu den entwickelten Ländern“, von „Iranliebe“ und vor allem von „Wohlfahrt“ bringen soll – einen Weg, der schon früher mit dem Namen der Familie Pahlavi verbunden war. Heute besitzt im Iran beinahe die gesamte Nation, zusammengesetzt aus den iranischen Ethnien, genügend politisches Bewusstsein, um zu wissen: Wenn es gelingt, die Barriere des religiös-despotischen Regimes zu überwinden, dann muss später ein Referendum abgehalten werden, um die gewünschte politische Form zu wählen. Sie wollen Prinz Reza Pahlavi, um jenen demokratischen Punkt in ihrer Zivilisationsgeschichte zu erreichen.

Deshalb ist die Lage heute, anders als 1979, als die Menschen im Iran wussten, was sie nicht wollten, aber nicht wussten, was sie wollten, eine andere: Im Jahr 2026 wissen die Menschen im Iran sehr wohl, was sie wollen. Die breite Öffentlichkeit weiß heute, was Geschlechtergleichheit bedeutet; sie weiß, dass die Angelegenheit von Arabern und Israel nicht die Angelegenheit Irans ist; sie kennt die geopolitische Bedeutung ihres Landes in der gegenwärtigen Welt; sie weiß, dass sie ihre Umwelt schützen muss; sie weiß, dass sie ein normales Leben, ein normales Einkommen und Arbeit will; sie ist sich der Interventionen Russlands, Englands und anderer Länder in ihrer Geschichte bewusst; und sie weiß, dass sie statt Feindbildern Wettbewerb braucht und pragmatisch an die Interessen des eigenen Landes denken muss. Aufgrund der weit verbreiteten Migration wissen die Iraner zudem aus Erfahrung, dass ihr Glück nicht in der Auswanderung liegt, sondern im Wiederaufbau Irans. Sie wissen, dass Diktatur und Autoritarismus zerstörerisch sind. Sie wissen, dass sie keine Herrschaft religiösen Rechts wollen. Vor allem wissen sie, was Säkularismus ist, und sie verlangen ihn. Die Menschen im Iran wollen einen geeinten, nicht zerfallenen Iran, unter Wahrung des Respekts vor den Werten und Subkulturen der übrigen iranischen Ethnien. All dies bündelt sich in der Idee von „Pahlavi“, die man irrtümlich „Pahlavismus“ nennt. Prinz Reza Pahlavi ist die Essenz und das Symbol all dieser Wünsche.

 

Rauschen

Ich denke, bis hierher habe ich die Frage beantwortet, die ich am Anfang dieses Textes gestellt habe. Doch eine andere Frage drängt sich ebenfalls auf: Warum gibt es noch immer Menschen, die sich einem solchen demokratischen Prozess widersetzen und auf Feindschaft gegenüber Pahlavi beharren?

Kurz gesagt: Die iranische Gesellschaft ist, wie jede große und vielfältige Gesellschaft, aus unterschiedlichen politischen, wirtschaftlichen und weltanschaulichen Gruppen zusammengesetzt. Die antagonistische Dimension der Politik lässt sich nicht einfach beseitigen. Es gibt nach wie vor ältere Menschen, die an den Ereignissen von 1953 einen „Komplex“ tragen und der Familie Pahlavi gegenüber Groll empfinden. Es gibt jene, die nicht an Demokratie glauben und Angst vor der Wahlurne haben. Andere wiederum haben ihre wirtschaftlichen Interessen mit der gegenwärtigen Herrschaftsstruktur im Iran verknüpft. Viele Angestellte des Staatsapparats wissen, dass sie ihre Stellen, Ämter und Positionen nicht aufgrund eigener Qualifikation, sondern mithilfe besonderer Beziehungen erreicht haben. Und obwohl sie die Ursache ihres Elends kennen, fürchten sie, arbeitslos zu werden und in die Dörfer oder in die alten Berufe ihrer Väter zurückkehren zu müssen.

Einige sind leninistische Linke, die aufgrund eines falschen Geschichtsverständnisses und im Glauben an manipulierte Erzählungen Pahlavi mit Amerikanisierung gleichsetzen. Und natürlich gibt es auch solche, die so tief in religiösem Radikalismus versunken sind, dass sie meinen, wenn die islamische Herrschaft verschwindet, werde auch ihre Religion verschwinden. Andere wiederum verfallen in Passivität. Dennoch war mein Eindruck des sozialen Umfelds stets, dass diese Menschen nicht die Mehrheit darstellen – auch wenn sie dank finanzieller und sicherheitspolitischer Unterstützung durch die herrschende Regierung mitunter sowohl im Iran selbst als auch außerhalb des Landes eine laute Stimme haben. Insgesamt aber sind sie nicht die hauptsächliche und dominante Frequenz der Strömung innerhalb und außerhalb Irans.

In einer demokratischen Zukunft können sie alle eine Partei und eine Stimme haben. Warum auch nicht?

Anonym – 13/3/2026 – Iran.

 

[1] Der Homa-Vogel, auch Huma oder Homay genannt, ist ein mystisches Wesen aus der persischen Mythologie, das als Glücksbringer, Symbol für Freude und königliche Würde gilt. (Anm. d. Übers)

[2] Schāhnāme oder Schahnameh, im Deutschen bekannt auch als Königsbuch oder Buch der Könige, bezeichnet insbesondere das Lebenswerk des persischen Dichters Abū ʾl-Qāsim Firdausī und damit das Nationalepos der persischsprachigen Welt. (Anm. d. Übers)

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