Rauch über den Straßen, Hoffnung im Herzen

Rauch über den Straßen, Hoffnung im Herzen

In den Videos, die derzeit aus dem Iran verbreitet werden, ist eine Szene zu sehen, die für viele Beobachter im Ausland irritierend wirkt. Am Horizont steigt Rauch von Explosionen auf, doch die Stimmen, die auf den Straßen zu hören sind, sind keine Stimmen der Angst, sondern des Jubels und des Beifalls. In einigen dieser Aufnahmen rufen Menschen sogar die Namen der Vereinigten Staaten und Israels.

Für Beobachter außerhalb des Iran mag eine solche Reaktion schwer nachvollziehbar sein. In der klassischen Logik der Politik führt ein äußerer Angriff gewöhnlich dazu, dass sich eine Gesellschaft hinter ihrer Regierung versammelt. Was heute im Iran zu beobachten ist, scheint jedoch genau das Gegenteil dieses Musters zu sein.

Für die meisten Iraner liegt der eigentliche Konflikt nicht zwischen Iran und der Welt, sondern zwischen dem iranischen Volk und der Islamischen Republik – ein Konflikt, der 1979 begann und sich über Jahrzehnte hinweg vertieft hat. In dieser Wahrnehmung unterscheiden viele Bürger zwischen „Iran“ als Nation und dem „islamischen Regime“ als politischer Machtstruktur.

Erst vor wenigen Wochen wurde diese Kluft auf den Straßen sichtbar. Tausende Menschen gingen mit leeren Händen auf die Straße und forderten offen das Ende der Islamischen Republik. In vielen Städten wurde die Löwen-und-Sonne-Flagge gehisst, und der Ruf „Javid Shah“ („Lang lebe der Shah“) gehörte zu den zentralen Parolen der Proteste. Die Forderung nach einer Rückkehr zu einem Iran vor der Revolution von 1979 war unüberhörbar, und der Name Prinz Reza Pahlavi wurde von den Demonstrierenden immer wieder gerufen – eine Persönlichkeit, die viele Protestierende als führende Figur der Opposition und als Symbol einer Übergangsphase betrachten.

Die Antwort der Regierung auf diesen Aufstand war eine brutale Repression. Demonstranten wurden beschossen, und zahlreiche Berichte sprechen von hohen Opferzahlen. Donald Trump erklärte in einer seiner Stellungnahmen, die Islamische Republik habe bei dieser Niederschlagung mehr als 35.000 iranische Bürger getötet – eine Zahl, die, sollte sie auch nur teilweise zutreffen, auf eine der blutigsten Repressionen der jüngeren iranischen Geschichte hindeuten würde.

Nach einer solchen Erfahrung ist eine Gesellschaft, die mit bloßen Händen den Kugeln entgegentritt, nicht mehr dieselbe wie zuvor. Die Schwelle der Angst ist überschritten. Für die meisten Iraner hat der eigentliche Krieg längst begonnen – ein Krieg zwischen einer Nation und einer Regierung, die sie für Repression, wirtschaftlichen Niedergang und internationale Isolation verantwortlich machen.

Vor diesem Hintergrund wird die heutige Reaktion auf den Straßen des Iran verständlicher. Wenn sich ein Volk in einem lang anhaltenden Konflikt mit seiner eigenen Regierung sieht, wird jeder Schlag gegen diese Machtstruktur nicht zwangsläufig als Angriff auf das Land selbst verstanden, sondern als Fortsetzung eines Kampfes, der vor Jahren begonnen hat.

Deshalb zeigt sich in einigen dieser Videos ein auffälliges Paradox: Rauch von Explosionen auf der einen Seite und jubelnde Menschen auf der anderen. Für die meisten Iraner ist das, was heute geschieht, kein Angriff auf den Iran, sondern ein Schlag gegen ein Regime, das das Land seit fast einem halben Jahrhundert in Geiselhaft hält – und deshalb sehen viele darin eine Chance zur Befreiung aus den Fängen der Tyrannei.

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